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Bigger Than The Sky
Mehr als der Himmel weit ist
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Diese
Geschichte von Adina Frieden beschreibt das Spannungsverhältnis
zwischen CF, Elternschaft und Tod. Die Geschichte wird auch
in einem britischen Sammelband zum Thema Behinderung und Elternschaft
erscheinen. Adina hat ihre Geschichte aber Ende Januar 1998
bereits auf der amerikanischen Cysticfibrosis-Liste veröffentlicht.
Sie bezeichnete ihre Geschichte als ziemlich gefühlsbetont,
wer also damit Schwierigkeiten hat, sollte ihre Geschichte besser
nicht lesen.
Adina lebte mit ihrem Mann in Berkeley, Kalifornien und stand
auf der Warteliste für eine Doppellungentransplantation.
Am 22.6.1998 starb sie zuhause im Kreise ihrer Liebsten.
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Ich
bin fünfzehn Jahre alt, liege bäuchlings auf meinem ungemachten
Bett. Das Buch "Die Baby-Falle" liegt offen vor mir und
ich lese fieberhaft, ohne Pause. Ich bin in den Beschreibungen der
Autorin gefangen, in denen sie das Jet-Set Leben mit ihrem Mann
in Paris schildert, ihr leidenschaftliches Sexleben, begünstigt
von ihrem geschmeidigen und schwangerschaftsstreifenfreien Körper,
ihrem Interesse an der Bildhauerei, der Schriftstellerei und dem
Kochen der feinen Küche. Sie erklärt, daß sie ihre
Träume wahr werden läßt, weil sie die Fesseln der
Mutterschaft vermeidet und ich bin total mitgerissen. Ich hatte
keine Ahnung, daß es in der Zukunft meine Cystische Fibrose
sein wird und nicht meine eigene Vorliebe, die Einfluß auf
meine Fortpflanzungsmöglichkeiten haben wird. Aber im Moment
schwelge ich erst einmal in den Phantasien der Freuden einer kinderlosen
Partnerschaft mit einem großzügigen, millionenschweren
Ehemann.
Ich
bin einundzwanzig Jahre alt und sitze auf einem harten Stuhl. Mein
Gegenüber, die Aufnahmekraft mit dem Bürstenhaarschnitt,
fragt mich in einem schroffen, nicht spaßig gemeinten Ton,
warum ich eine Sterilisation wünsche. Sie lehnt sich über
ihren abgewetzten Schreibtisch und sagt mir, daß sie sehr
besorgt wäre, da ich doch erst einundzwanzig bin und die Sterilisation
eine "für immer" Entscheidung sei. Ich antworte ihr,
daß ich eine genetisch bedingte Krankheit namens Cystische
Fibrose habe worauf sie entgegnet, "noch nie davon gehört."
Ich versuche ein wenig von meinem ständigen Husten zu erklären,
die ständig wiederkehrenden Lungenentzündungen und daß
ich nicht den Genpool verschmutzen möchte. Sie kritzelt etwas
auf meinen Aufnahmebogen und blickt finster drein. Ich denke, ich
sollte nicht hinzufügen, daß ich gerne sehr viel Sex
mit meinem neuen Freund machen möchte ohne mich um Geburtenkontrolle
kümmern zu müssen. Sie sagt mir, daß ich mir wirklich
Zeit nehmen solle meine Gefühle zu entwickeln und empfiehlt,
daß ich ein anderes mal wiederkommen solle. Als ich jedenfalls
das nächste mal vor ihr sitze, ist sie nett und freundlich
während sie mir ein ganzes Bündel Papiere zur Unterschrift
herüberschiebt und eifrig den Kalender nach dem frühest
möglichen Operationstermin durchsucht. Ich vermute mal, daß
sie ein Gespräch mit dem Klinikarzt hatte, der alles über
Cystische Fibrose weiß, und nun nachdrücklich mit meiner
Entscheidung zur Sterilisation übereinstimmte.
Eine
Woche später liege ich auf meine Operation wartend in einem
Krankenhausbett in der Women's Choice Clinic in Berkeley. Das einzige
woran ich mich erinnere, ist ein kleiner Stich in meinem Arm und
daß ich in einen Traum entgleite, in dem ich Stimmen höre
die "das machst du toll, nett und leicht, gute Arbeit!"
ausrufen. Als ich aufwache, bin ich im selben Bett, und ich frage
mich wann sie mich denn zur Operation rausfahren werden. Eine Krankenschwester
schaut nach mir und ich frage wie lange es denn noch dauern wird.
Sie lacht und sagt, "Herzchen, es ist vorbei, du bist schon
fertig!".
Den Nachmittag verbringe
ich zur Erholung in der Wohnung meines Freundes, mit Krämpfen
auf dem Sofa liegend. Ab und zu habe ich Anflüge von dieser
merkwürdigen Traurigkeit, aber ich gehe darüber hinweg,
ich denke daß ich mich nach der Operation nur kaputt fühle.
Die Sterilisation ist das was ich wollte, und da Cystische Fibrose
lebensverkürzend ist, schien mir die nun nicht mehr vorhandene
Möglichkeit schwanger zu werden und ein Kind zu haben, als
die geringste meiner Sorgen. Ich nippe Kräutertee, verziehe
das Gesicht und bete, daß meine Schmerzen bald verschwinden
mögen.
Ich
bin achtundzwanzig Jahre alt, und 6 Frauen rekeln sich auf dem Boden
meines Wohnzimmers in Albuquerque, New Mexico. Wir haben unseren
wöchentlichen Kurs in Wiederbewertung der Psyche, ein Vorgang
der einem hilft schmerzhafte, tief sitzende emotionale Schäden
abzubauen. Wir diskutieren auch über einige der Ursachen unserer
Schmerzen und heute abend ist es das Selbstbild der Frauen. Unsere
Lehrerin wirft die Frage auf, "welche Gedanken habt ihr, wenn
ihr darüber nachdenkt, wie ihr euch selbst als Frau seht?".
Mary Sue, die hochschwanger mit ihrem ersten
Kind ist, fängt an. Sie stammelt, errötet, aber beginnt
dann doch darüber zu reden, daß sie sich niemals als
vollwertige Frau fühlte bis sie schwanger wurde. Ich kann nicht
aufhören sie anzustarren. Ihre pausbäckigen Wangen, ihre
fleischigen Handgelenke, ihr hellrosafarbener Schwangerschaftsanzug,
alles platzt förmlich vor Mutterenergie.
Die Stimme meiner Lehrerin
schreckte mich aus meiner Benommenheit auf: "Okay, Adina, du
bist dran, was möchtest du mit uns teilen?" Ich beginne
mit "Ähhh, uhmmm", aber bevor ich auch nur einen sinnvollen
Satz bilden kann, beginne ich unaufhörlich zu schluchzen, es
ist als ob man unter einen schnell fließenden Strom von Trauer
gerät. Minuten später, ich erhebe schließlich meinen
Kopf, ich fühle mich wie grün und blau geprügelt
von etwas, von dem ich dachte, daß es nicht existieren würde.
Mein Verlangen Mutter zu sein. Und das Wissen, wie ein schwarzes
Loch, daß ich niemals eine sein werde.
Ich
bin dreiunddreißig Jahre alt und er ist fünf Jahre alt
und meine Arme sind weit ausgebreitet. Wir liegen beide nebeneinander
in meinem kleinen Stück Garten und ich zeige ihm die Antwort
auf meine Frage, "Hast du überhaupt eine Ahnung wie sehr
ich dich liebe?" Er grinst und fragt wie sehr, wie sehr? "Mehr
als der Himmel weit ist!" rufe ich aus, um mich dann wie ein
Sturzkampfbomber auf ihn zu werfen, ich umarme ihn und dann bumm!
Wir sind eine einzige, große Freudenexplosion.
Sein Name ist Justin.
Er trat vor drei Jahren in mein Leben, etwa zur gleichen Zeit als
ich nach Berkeley zurückzog um ein Praktikum am Zentrum für
unabhängiges Leben anzutreten. Das Zentrum hat mir geholfen
die Art und Weise zu ändern wie ich meine Cystische Fibrose
empfinde; von einer Krankheit die sehr viel Scham und Unzulänglichkeit
hervorbringt zu einer herausfordernden und äußerst befähigenden
Behinderung. Eine weitere große Hilfe war mein Freund Phil,
ein hochgradig an allen 4 Gliedmaßen Behinderter und langjähriger
Mitarbeiter im Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, der Anworten
auf alles hat was ich je wissen wollte, ganz besonders auf diese
fesselnde Sex-und-Behinderungs-Frage!
Schon bald nachdem wir
uns verliebt hatten, lernte ich Phil's besten Freund Mark kennen,
der Vater von Justin. Einige Monate später entschwand Justin's
Mutter in einem alkoholbedingten Nebel und Mark bekam das alleinige
Sorgerecht. Völlig gestresst und überlastet als alleinerziehender
Vater war Mark von meinem Angebot mich mit seinem Kind zu beschäftigen
total begeistert. Jetzt ist ein großer Teil meines Lebens
'Justin Zeit'. Fahrradtouren, Parkbesuche, Samstäglicher Turnkursus,
wöchentliche Übernachtungen, Ausflüge in exotische
Länder, darunter auch Adventure-, Fairy-, und Disneyland.
So ist es auch an mir,
ihn zu drücken wenn er wegen dem brutalen Kerl in der Vorschule
weint, der ihn Blödmann nennt, Gute-Nacht-Geschichten mit dem
Pinguin Ping-Pong zu erfinden, ihm geduldig zum fünften mal
zu zeigen wie man Schleifen bindet, und ihm voller Erwartung die
Nachricht "Ho-ho-ho, danke für die Pickles und die Limo"
zu zeigen, die der Weihnachtsmann zurückließ.
Er ist darüber verwirrt,
warum seine Mutter, die das ganze vergangene Jahr in einem Saufgelage
in Mexico verbrachte, niemals da ist. Eines Abends als ich ihn ins
Bett packte fragte er, "Ähh, du könntest meine Mama
sein, nicht wahr?" Ich atmete tief ein, zog ihn nah an mich
heran und sagte "Nein, ich bin nicht deine Mutter, aber ich
liebe dich ganz, ganz doll und ich werde immer für dich da
sein." Ich versuche nicht daran zu denken, daß wegen meiner
fortschreitenden Cystischen Fibrose 'immer' ein überladener
Begriff ist. Stattdessen starre ich in seine kakaobraunen, vor Freude
tanzenden Augen, und versuche für ihn da zu sein, genau jetzt.
Wie sehr liebe ich dich?"
wiederhole ich, und dabei spüre ich das kitzelnde Grass unter
uns. Diesmal wirft er seine Arme um meinen Hals und brüllt
in mein Ohr, "Ich weiß, mehr als der Himmel weit ist!"
Ich
bin einundvierzig Jahre alt und er ist dreizehn Jahre als und ich
entscheide mich ihm bei einem riesigen Eis zu sagen, daß ich
sterben werde. Seit drei Monaten habe ich einen kongestiven Herzfehler
entwickelt und benötige rund um die Uhr Sauerstoff. Ich könnte
noch ein Jahr leben, vielleicht zwei. Ich mache mir über diese
Schätzungen weniger Sorgen, als Justin ins Gesicht zu sehen
und zu sagen "Wahrscheinlich werde ich deinen High school Abschluß
nicht mehr erleben." Nachdem einer meiner Freunde mich wachgerüttelt
hatte, indem er mir aufzeigte, daß Justin am Boden zerstört
sein würde wenn ich sterbe sollte und er nicht darauf vorbereitet
wäre, wußte ich, daß ich es nicht mehr länger
hinauszögern konnte. Wir sitzen in meinem Arbeitszimmer, das
auch sein Schlafzimmer ist wenn er bei uns übernachtet und
schließe die Tür um mehr Privatsphäre zu haben.
Phil, der jetzt mein Ehemann ist, hatte sich angeboten mir beizustehen
wenn ich es Justin sage, aber ich weiß daß ich da alleine
durch muß.
Ich bin so nervös,
daß ich ein vollkommen irreführendes "Justin, es
gibt etwas, daß ich dir sagen muß, aber es könnte
dich aus der Fassung bringen, vielleicht sollte ich deshalb bis
zum Morgen damit warten" herausbrachte. Er seufzte und fragte
mich ein langgezogenes wa-aa-as, in diesem halb verärgertem,
mürrischen Ton, mit dem ihn die Pubertät gesegnet hatte.
Ich taue auf und mache einen Umweg indem ich ihn frage, wie er denn
meine Cystische Fibrose zur Zeit sieht. Er zuckt nur mit den Schultern
und sagt, daß der Sauerstoff eine gute Sache sei, weil er
mir helfe, richtig?
Ich hatte vergessen wie
verblüffend er sich mit meiner Behinderung auskennt. Das kommt
wahrscheinlich daher, weil ich niemals auch nur eine meiner medizinischen
Therapien vor ihm versteckt hatte. Wenn überhaupt, dann wurde
es nur eine weitere Aktivität, die uns verband. Er hatte auf
meinem Schoß gesessen und ich hatte ihn zählen lassen
wieviele Rauchringe ich aus meinem Inhaliergerät blasen konnte.
Oder als er älter wurde, ließ ich ihn die Böden
der Infusionsampullen auf die Tischoberfläche klopfen bevor
ich mich für eine Antibiotikum Infusion fertig machte. Mein
immerwährendes Husten wurde zu einem leichten Hintergrundrauschen,
das unsere gemeinsame Zeit erfüllte. Ich hatte auch schon in
dem sehr hoch gelegenen Familiencamp, wo wir die letzten fünf
Sommer verbracht hatten, Sauerstoff benutzt.
Es
ist so verlockend sich auf sein Leugnen mit einem "Ey, Mann,
mach dir keine Sorgen, mir geht's gut, ich muß nur diesen
verdammten Sauerstoff die nächsten dreißig Jahre tragen",
einzulassen. Die Wahrheit zu sagen, ist wie in ein schwarzes Loch
zu fallen, aber ich sage zu mir selbst, daß ich das richtige
tue während ich die Worte forme,
"Justin, ich bin im Endstadium, was
bedeutet, daß ich noch zwischen sechs Monaten und einigen
Jahren leben kann. Und ich möchte, daß du weißt,
das schlimmste am sterben ist - schlimmer als alles andere - dich
verlassen zu müssen."
Während ich rede,
rollen Tränen seine Wangen hinab, und dann schluchzt er für
eine lange Zeit. Ich fühle mich betäubt, entsetzt darüber
was ich angerichtet habe. Schließlich murmelt er "Das
ist wohl die schlimmste Sache mit der ich je umgehen mußte."
"Ich auch" flüstere ich zurück. Wir setzen unser
Gespräch mit leisen Stimmen fort, er sagt mir, daß er
lieber die Wahrheit wisse, als wie ein kleines Kind beschützt
zu werden, ich sage ihm, daß die letzten zwölf Jahre
die besten, die allerbesten waren. Meine Tränen wegwischend
sage ich, "Aber du weißt, daß wir durch dies alles
gemeinsam gehen werden, richtig?" Er nickt langsam und dann
strecke ich meinen Arm aus um seine starken, braunen Finger zu ergreifen,
erstaunt wieviel größer schon seine Hand als meine ist.
Ich
bin zweiundvierzig Jahre alt und er ist vierzehn Jahr alt und wir
stehen zusammen in der Dunkelheit, verfolgen mit ohh und ahh den
Schweif vom Kometen Hale Bopp. Wir sind zum Inspiration Point hinaufgefahren,
die Lichter der Stadt hinter uns lassend, wo wir seine nur einmal
in vierhundert Jahren vorkommende Erscheinung genießen können.
Schau Adina, da drüben!"
Mit einem Streich seines Armes lokalisiert und zeigt Justin mir
selbstsicher Polaris, Orion und die sieben Schwestern. Ich nicke
und lächle, erinnere mich an die spezielle Auszeichnung, die
er im Familiencamp erhielt, weil er der Astronomin 'kannst du dir
vorstellen das ist ihr Name' Celeste assistierte und beim Aufstellen
der Teleskope half.
Es ist ein Jahr vergangen
seit unserer ersten Diskussion über meinen Tod. Ich bin weiterhin
im Endstadium, aber das Leben ist glücklich weitergegangen.
Mit meinem Sauerstoff im Schlepp habe ich am Familien-Orientierungsabend
in seiner wahrscheinlich zukünftigen High-School teilgenommen,
und hatte einen Platz in der ersten Reihe bei der Schultheateraufführung,
für die er der Leiter der Technikergruppe war. Wir machten
sogar eine Wochenend-Spaßkreuzfahrt nach Ensenada, verbrachten
aber beide Abende lieber mit Videos in unserer Luxuskabine, als
'Broadway at Sea' in der Americana Lounge zu ertragen oder besoffene,
überfreundlich grüßende Mitreisende zu treffen.
Immer wenn wir in Erinnerungen über diese Reise schwelgen,
tönt es normalerweise wie aus einem Mund "Haßte
es" und ein lautes Gelächter platzt heraus. Jeden Dienstagabend
fahre ich ihn zu seiner Bogenschiessmanschaft, wo er das jüngste
Mitglied ist und wo er zunehmend sehr eindrucksvolle Ergebnisse
erzielt. Ich bin begeistert zu sehen wie er einen unerschrockenen
Schritt in Richtung Unabhängigkeit macht, indem er sich für
eine zweiwöchige Fahrrad- und Campingtour angemeldet hat, wofür
er selbstständig an die Ostküste fliegen und keines der
anderen teilnehmenden Kinder vorher kennen wird.
Ich habe auch erlebt,
daß ich die Erfahrung machen durfte von häufiger zugeknallten
Türen, regelmäßig wütend herausgebrülltem
"laß mich in Ruhe", Kopfschmerzen bereitende Monologe
warum er Recht hat und ich unrecht habe und der berüchtigte,
magische Ausspruch "Es gibt ja sonst nichts zu tun", immer
wenn ich ihm sage, daß er zu viel Computerspiele macht. Es
ist schon eine mühsame Sache.
Jedenfalls, wenn ich
erkenne, daß ich immer noch HIER bin um Zeuge all dieser Klippen
seines Erwachsenwerdens zu sein, so wird es viel leichter mit diesem
wenig charmanten Verhalten zurechtzukommen.
"Was ist das?"
ruft Justin erschrocken aus, unterbricht damit meine Träumerei
und er ergreift meinen Arm als gespenstig klingendes Geheul die
Dunkelheit durchbohrt.
"Wow! Coyoten,"
flüstere ich und ich kann spüren wie sein Körper
sich vor Furcht etwas versteift.
"Mach dir keine
Sorgen, Liebling," füge ich ruhig hinzu. "Schau,
sie sind weit draussen in diesem Canyon, weit entfernt von uns.
Wir sind hier absolut sicher," und er läßt ein lautes
Zischen der Erleichterung heraus. Wir bleiben an dem Geländer
stehen und er beginnt Strähnen meiner Haare um seine Finger
zu wickeln, eine Angewohnheit aus seiner Kindheit und ich vermute,
es ist ein Weg um auch jetzt noch körperlichen Kontakt herzustellen,
jetzt da er viel zu cool ist um nach Umarmungen oder Liebkosungen
zu fragen.
In den nächtlichen
Himmel hinaufschauend denke ich darüber nach, daß meine
Erfahrungen mit Justin eine einzigartige Konstellation der Elternschaft
sind, anders als andere, aber genauso toll. Ich erkenne, daß
ich diese Erfahrung erlangt habe, weil ich gelernt habe die begrenzenden
Vorstellungen sowohl von Elternschaft als auch von Behinderung zu
überwinden. Und ich bin so dankbar, daß ich es tat, jetzt
da ich mit meinem Jungen diesen nur einmal in einem Leben zu sehenden
Kometen über uns strahlen sehe.
Aus
dem amerikanischen übersetzt von Joachim Unterspan.
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