Dr. med. Joachim Bargon und Dr. med. Stefan Loitsch, Med. Klinik II, Frankfurt/Main
In der Sitzung "bugs and drugs"
begann H. Goss mit der Vorstellung einer retrospektiven Multicenter-Studie,
die die Prävalenz und das Überleben von CF-Patienten mit Strenotrophomonas-Kolonisierung
auswertete. Insgesamt sahen sie eine Zunahme der Prävalenz von 1992 bis 1997,
wobei die Frage offen blieb, ob die ein echter Anstieg ist oder ob intensiver
und besser nach diesem Keim gesucht wird. Stenotrophomonas maltophilia war mehr
bei älteren Patienten mit einer schlechteren Lungenfunktion nachweisbar, die
aufgrund dieser Faktoren auch eine geringere Lebenserwartung hatten. Stratifizierte
man aber diese Faktoren, zeigte sich, daß eine Besiedlung mit diesem Keim nicht
mit einer schlechteren Prognose ein herging. Die Frage, ob eine Dauertherapie
oder intermittierende Therapie (oder gar keine) indiziert ist, blieb offen.
In einer weiteren Studie wurde die Prävalenz
von atypischen Mykobakterien untersucht. Hier lag die Prävalenz bei 13% der
Untersuchten, wobei diese mit dem Alter stieg. Der Abfall der FEV, zeigte nach
dem Nachweis von Mykobakterien keinen Unterschied zur Kontrollgruppe, es waren
aber deutlich mehr Veränderungen in der durchgeführten Thorax CT zu sehen. Ein
Screening der älteren Patienten auf atypische Mykobakterien wurde empfohlen.
Eine Therapie sollte eingeleitet werden, wenn die Kriterien der ATS zur Behandlung
atypischer Mykobakteriosen erfüllt sind, wobei weitere Studien für CF dringend
notwendig sind.
La Puma sprach in dem nächsten Talk über
"Risiko und Benefit der chronischen Anti-Pseudomonas Therapie bei CF".
Leider beschränkte er sich auf die veröffentlichten Tobi-Daten von Ramsey und
Bums und ging nicht auf Langzeitwirkungen einer solchen Therapie ein. Europäische
Daten hierzu wurden gar nicht erwähnt, so daß der vielversprechende Titel leider
nicht erfüllt wurde.
Im letzten Vortrag faßte Lisa Saiman die
bisher bekannten Daten über Makrolide bei CF und bei diffuser Panbronchiolitis
zusammen. Bei CF gibt es leider noch sehr wenig Studien mit nur kleinen Patientenzahlen,
die aber ganz vielversprechend erscheinen. Unter ihrer Leitung begann nun eine
randomisierte, plazebo-kontrollierte Multi Center Studie in den USA, in die
194 Patienten eingeschlossen wurden. 500 mg Azithromycin 3 mal in der Woche
bzw. 250 mg 3 mal pro Woche für Patienten unter 40 kg werden gegen Placebo verglichen.
Die erste große Studie, deren Ergebnisse interessant sein werden.
"High Throughput Screening" für Substanzen,
die den grundlegenden Defekt bei CF korrigieren
Die Identifikation von Substanzen, die den
grundlegenden Defekt bei cystischer Fibrose korrigieren, war bislang sehr zeitaufwendig,
da ein effektives Screening bislang nicht verfügbar war. Auf dem diesjährigen
Kongreß wurden gleich zwei Verfahren vorgestellt, die ein solches Screening
ermöglichen.
Die Arbeitsgruppe um Alan Verkman entwickelte
ein Verfahren, das auf der Messung von Fluoreszenzfarbstoffen in einem Mikroplattensystern
basiert. Mit diesen Fluoreszenzfarbstoffen kann ein cAMP-abhängiger CI-Transport
detektiert werden, der auf die Anwesenheit eines aktiven CFTR schliessen läßt.
Dieses Verfahren ist leicht automatisierbar und erlaubt ohne größeren Aufwand
ein "high throughput screening" mehrerer hundert bis tausend Substanzen
pro Tag. tatsächlich stellte die Genzyme Corporation bereits eine Substanz vor
die mit dieser Technik identifiziert wurde. Genz-87786 konnte 18 h nach Zugabe
die Chloridkanalaktivität von deltaF508-CFTR auf 40% der Aktivität des Wildtyps
erhöhen. Wenn die Daten sich aus dem Zellkulturmodell auf Patienten übertragen
lassen, dann würde dies ausreichen um den Phänotyp zu korrigieren.
Einen weiteren Ansatz für ein effektives
Screening stellte die Arbeitsgruppe um S. Olenych vor. Hierbei nutzt man ein
sogenanntes yeast two-hybrid-System um die erfolgreiche Wechselwirkung der Nukleotidbindedomänen
(NBD1 und NBD2) von CFTR zu überprüfen. Bei Gesunden liegen die beiden Nukleotidbindedomänen
von CFTR als Dimer vor, während sie bei Patienten mit der deltaF508-Mutation
nicht dimerisieren. Im dem vorliegenden yeast two-hybrid-System findet jedoch
ein Wachstum der Hefen nur dann statt, wenn beide Nukleotidbindedomänen erfolgreich
interagieren. Eine Substanz, die eine Wechselwirkung auch mit der mutierten
Nukleotidbindedomäne ermöglicht, führt zu einem Wachstum der Hefen.
Dieses Wachstum läßt sich auf Kulturplatten
nach einigen Tagen leicht erkennen. Auf einer Platte können mehrere Substanzen
überprüft werden. In Zusammenarbeit mit dem Smithonian Tropical Research Institute
gelang es S. Olenych und seinen Mitarbeitern, mehrere Substanzen aus den Blattextrakten
tropischer Pflanzen zu identifizieren, die zu einer Wiederherstellung der Dimerisierung
der NBDs führen. Die klinische Verwendbarkeit dieser Substanzen wird momentan
evaluiert.
Beide Screening-Methoden besitzen das Potential
die Suche nach neuen Medikamenten gegen die cystische Fibrose zu revolutionieren.
Dies läßt sich ohne Übertreibung behaupten. Denkbare Einschränkungen beider
Systeme sind wohl die Übertragbarkeit von Zellkulturmodellen insbesondere bei
der Verwendung von Hefen. Diese Einschränkungen werden den Nutzen dieser Methoden
jedoch nicht ernsthaft einschränken.
Quelle:Pulmopharm Info Service