Dr. Joseph Rosenecker, Dr. von Haunersches Kinderspital, Kinderklinik der LMU München
Auf der Plenarsitzung des 14. Nordamerikanischen
CF-Kongresses wurden von Prof. Jeffry J. Wine, Universität von Stanford, Kalifornien,
neueste Erkenntnisse zur Entstehung der Lungenkrankheit bei Mukoviszidose vorgestellt.
Eine zentrale Rolle in der Entstehung der pathologischen Veränderungen in der
Lunge bei Mukoviszidose Patienten scheinen demnach nach Prof. Wine die submukösen
Drüsen zu spielen. Diese submukösen Drüsen sind in der Bronchialschleimhaut
gelegen. Beim Menschen findet man pro mm2 Bronchialschleimhaut etwa eine submuöse
Drüse. Histologisch kann man zwei verschiedene Drüsenzellen unterscheiden, zum
einen seröse Drüsen, die den Boden des Drüsengangs bilden und muköse Drüsen,
die den Ausführungsgang bilden. Submuköse Drüsen verteilen ich über das gesamte Bronchilasystem und bilden 90% der Atemwegssekrete, darunter körpereigene antibakterieile Substanzen, wie Lysozyme
und Lactoferrin. Diese antibakteriellen Substanzen verteilen sich mit dem Sekret
der submukösen Drüsen auf dem Atemwegsepithel und schützen die Atemwege vor
bakteriellen Infektionen.
Schon lange ist bekannt, daß eine der frühesten
Veränderungen, die in den Atemwegen der Mukoviszidose Patienten auftreten, die
Hypertrophie der submukösen Drüsen ist. Die Arbeitsgruppe um Prof. Wine hat
nun ein Verfahren entwicket, das es erlaubt, mit Hilfe neuester Mikropräparations-Verfahren
humane submuköse Drüsen in Kultur zu nehmen. Eine Punktion der Ausführungsgänge
der Drüsen erlaubt es die Zusammensetzung der Sekrete genau zu analysiern.
In Zusammenarbeit mit Prof. Alain Verkman, Universität
von Kalifornien, San Francisco, wurde mit Hilfe von Salz- und pH-sensitiven
Fluoreszenz-Farbstoffen der Salzgehalt der Drüsensekrete bestimmt. Dabei ergab sich im Vergleich zu Gesunden nur ein gering erhöhter Salzgehalt in dem
Atemwegssekret, ebenso war der pH nicht verändert. Diese Beobachtung steht im
Widerspruch zu früheren Veröffentlichungen, in denen von einem stark erhöhten
Salzgehalt in den Atemwegssekreten berichtet wurde. Von großem Interesse ist
allerdings die Beobachtung, daß das Sekret von CF-Patienten bereits bei Austritt
aus dem Ausführungsgang eine massiv erhöhte Viskosität zeigte. Die Ursache für
diese Viskositätserhöhung konnte noch nicht geklärt werden. Eine Erklärung könnte
darin bestehen, so Prof. Verkman, daß die serösen Zellen, in denen das CFTR-Protein
am stärksten von allen Lungenzellen exprimiert wird, bei Mukoviszidose aufgrund
der fehlenden CFTR Funktion nur ein sehr wasserarmes Sekret bilden können und
somit das von den mukösen Drüsenzellen gebildete sehr zähe Sekret nicht ausreichend
verdünnt wird. Die Verteilung dieses sehr zähen Sekrets auf dem Atemwegsepithei
könnte somit gestört sein und die von den submukösen Drüsen gebildeten antibakteriellen
Substanzen können damit ihre schützende Wirkung nicht richtig ausbilden, was
die bakterielle Besiedlung der Atemwege bei Mukovsizidose begünstigen würde.
Möglicherweise kommt es im weiteren Verlauf zur Bildung von Sekretklumpen, die
dann in die tiefen Atemwege absinken, bzw. aspiriert werden und somit zu einer
Verstopfung der kleinen Atemwege führen können. Dies würde wiederum die bei
Mukoviszidose-Säuglingen typische, sehr früh einsetzende Oberblähung der Lunge
erklären. Mit Hilfe dieser "Aspirationstheorie" könnte auch die paradoxe
Beobachtung erklärt werden, daß die Lokalisation der stärksten pathologischen
Veränderungen in der Lunge, nämlich die kleinen Atemwege, nur eine sehr niedrige
CFTR-Expression zeigen, wohingegen die submukösen Drüsen die stärkste CFTR-Expression
aufweisen. Auch ließe sich erklären warum CF-Mäuse keine CF-typische Lungenkrankheit
entwickeln, da Mäuse nur sehr wenige submuköse Drüsen haben und die Atemwegssekrete
bei Mäusen überwiegend von den Becherzellen des Atemwgesepithels gebildet werden.
Zusammenfassend stellte Prof. Verkman fest, daß der Defekt bei Mukoviszidose
darin besteht, daß die Sekrete der submukösen Drüsen zu viskös sind. Zukünftige
therapeutische Strategien sollten somit in stärkerem Maße auf die pharmakologische
Beeinflussung der submukösen Drüsen gerichtet werden.
Quelle:Pulmopharm Info Service