Donnerstag 13. Juli 2000
Hannover (dpa) - Zur Vermeidung schwerer Erbkrankheiten sind genetische Eingriffe beim Embryo - die so genannte Keimbahntherapie - nach Ansicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter bestimmten Voraussetzungen gerechtfertigt.
«Wenn es um die Vermeidung schwerer Erbkrankheiten geht, dann spricht nichts dagegen, es nicht zu tun», sagte der Präsident der Forschungsgemeinschaft, Ernst Ludwig Winnacker, in einem dpa- Gespräch. Zuvor müsse jedoch die Technik optimiert werden. Winnacker leitet an diesem Donnerstag den «Workshop 21: Genomforschung» auf dem Expo-Wissenschaftsforum Global Dialogue in Hannover.
Die Keimbahntherapie am Menschen sei jedoch nicht in Sicht, «da selbst bei Mäusen nach 15 Jahren Optimierung nur Ausbeuten erzielt werden, die für die Ausdehnung am Menschen unakzeptabel wären», betonte der Biochemiker. Bei Eingriffen in die Keimzellen von Mäusen kommt es häufig zu Missbildungen und Fehlgeburten. «Wichtig ist, dass in solchen Fragen eben nicht nur das Ziel, sondern auch die Mittel betrachtet werden.»
Bei der Keimbahntherapie versuchen Forscher nicht nur die Körperzellen, sondern auch die Geschlechtszellen zu verändern. So hätte beispielsweise keiner der Nachkommen eines behandelten Mukoviszidose-Kranken das veränderte Gen.
Mit der Entzifferung des menschlichen Genoms werde der Mensch zwar eine ganze Menge über seinen Körper lernen, «aber er wird nicht verstehen, warum er ein Mensch ist», betonte Winnacker. «Der Mensch nämlich stellt mehr dar, als die Summe seiner Gene.»