Dr. med. Rainer Büscher, Universitätskinderklinik, Essen
Die cystische Fibrose wurde immer als eine
monogene, autosomal rezessive Erkrankung betrachtet. Die Identifizierung von
mehr als 900 CFTR Mutationen in der Mehrheit der Patienten bestätigt ferner
die genetische Äthiologie der Erkrankung. Festzustellen bleibt aber, daß die
Patienten, die identische CFTR Mutationen aufweisen, meistens vom klinischen
Verlauf her eine erhebliche Heterogenität aufweisen. Eine der Kernfragen, die
klinisch tätige Ärzte, Molekularbiologen und Genetiker gleichermaßen beschäftigt
ist, wieso der klinische Verlauf der Patienten so unterschiedlich ist und wie
CFTR reguliert wird.
Dramatische Fortschritte in der Automatisierung
von DNA-Sequenzierungen in den letzten Jahren haben es ermöglicht, daß zur Jahresmitte
2000 die große Mehrheit der menschlichen DNA komplett entschlüsselt, und in
einer GenBank gespeichert ist. Obwohl das CF Gen seit vielen Jahren bekannt
ist, wird heutzutage immer klarer, daß nicht die Mutationen in diesem Gen alleine
für den Verlauf der Erkrankung verantwortlich sind (z.B. haben betroffene Zwillinge
nicht den gleichen klinischen Verlauf, sondern sogenannte "Modifier Genes"
ebenfalls am Verlauf der Erkrankung beteiligt zu sein scheinen. Nicht alleine
durch das "Human Genome Project", sondern auch durch Linkage-Analysen
und Assoziationsstudien wurden einige "modifying candidate genes"
identifiziert, die den klinischen Verlauf beeinflussen. Mit Hilfe von modernen
molekularbiologischen Techniken, wie Restriktions Fragment Längen Polymorphismen
(RFLP), Sequenz Längen Polymorphismen (SSLP), direktem Sequenzieren und sogenannten
"Splice Variant-Analysen" können unterschiedliche Phenotypen untersucht,
und Assoziationen zu der Erkrankung erstellt werden. In diesem Workshop wurden
einige solcher "CF modifying genes" vorgestellt. Aus unserer Essener
Gruppe berichteten wir über Polymorphismen des menschlichen ß2-Adrenozeptors
an Aminosäure-Position 16 und einer signifikant verschlechterten Lungenfunktion
bei Trägern dieses Allels, sowie über die neuronale NO-Svnthase (NOS1). Wir
konnten demonstrieren, daß Variationen im NOS1-Gen mit einer Variabilität der
ausgeatmeten NO-Konzentration bei CF-Patienten, und damit einer erhöhten Kolonisation
mit P. aeruginosa und A. fumigatus einhergehen. Andere Gruppen stellten einen
Zusammenhang zwischen Polymorphismen in wichtigen Molekülen der Immunabwehr
und Mikrobiologie, wie MBL2 (mannose-binding lectin), HBDF-1 (human beta defensin-1),
MPO (myeloperoxidase), NRAMP-1 (natural resistance-associated macrophage protein-1)
und SFTPA-1+2 (surfactant proteins A1 und A2) und einem deutlich reduzierten
FEV1 her. Besonders das menschliche ß-Defensin 1-Gen ist sehr polymorph,
die genaue funktionelle Bedeutung dieser Polymorphismen muß aber noch in größeren
Studien getestet werden. Aber auch verschiedene Splicing-Varianten des CFTR-Gens,
die eine unterschiedliche Transkription bewirken und deswegen mit variablem
Verlauf der Lungenerkrankung einhergehen, wurden als Modifikatoren genannt.
Die Suche nach Genen, die den Verlauf der Mukoviszidose modifizieren, hat gerade
erst begonnen und bisher sind längst nicht alle "Mitspieler" identifiziert.
Aufgrund der immer besser werdenden molekularbiologischen Techniken und der
heute zur Verfügung stehenden Resourcen ist jedoch innerhalb der nächsten Jahre
mit deutlichen Fortschritten auf diesem Gebiet zu rechnen.
Quelle:Pulmopharm Info Service