Dr. med. Christine Lehmann, Medizinische Hochschule Hannover
Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms ist weit fortgeschritten.
Der größte Teil der menschlichen DNA ist vollständig analysiert. Alle Daten
sind in Form einer GEN-Bank zugänglich. Der gentechnologische Fortschritt birgt
viele Erwartungen über neue Therapiemöglichkeiten in der Bekämpfung von Krankheiten
bis hin zur vollständigen Heilung.
1989 war das Jahr, in dem das CF-Gen entdeckt
wurde. Bislang sind über 950 Mutationen auf dem CF-Gen identifiziert worden.
Neben dem bekannten Einfluß der verschiedenen Mutationen auf die klinische Ausprägung
der Mukoviszidose wird angenommen, daß noch weitere Faktoren existieren, die
die klinische Heterogenität zwischen den Patienten erklären. So nimmt man an,
daß u.a. genetische Veränderungen außerhalb des CFTR-Gens in der Lage sind,
das Krankheitsbild und seinen Verlauf zu modifizieren. Zunächst im Mausversuch,
später auch beim Menschen wurde dieser Verdacht bestätigt. So scheint ein Gen
auf dem Chromosom 19 in der Position q13 für den intestinalen Phenotyp bei CF
mitverantwortlich zu sein. Weitere Forschungen wiederum am Mausmodell (congene
CF-Mäuse) konzentrieren sich auf Gene außerhalb des CFTR-Locus, die die pulmonale
Ausprägung bei der Erkrankung modifizieren könnten. Eine solche Entdeckung steht
noch ganz am Beginn, könnte jedoch helfen, ganz neue Therapieansätze zu eröffnen,
und wird daher mit Spannung beobachtet.
Es gibt noch eine ganze Reihe von Detailfragen zu
klären, bevor die Gentherapie als wirksame Therapie zur Behandlung der Atemwege
bei CF einsetzbar ist. Eines der Hauptprobleme bereiteten immer noch die natürlichen
Abwehrmechanismen des Körpers, die verhindern, daß die Trägersubstanzen (z.B.
Adenoviren) zu den hochdifferenzierten Zellen des Atemepithels gelangen und
in diese eindringen. So findet man auf der apikalen (der dem Lumen zugewandten)
Seite der Zellen so gut wie keine entsprechenden Rezeptoren, die einen viralen
Transport in die Zelle zulassen. So wurde ein Schwerpunkt der Forschungen entweder
darauf gerichtet, die Trägersubstanzen zur basolateralen, rezeptorreicheren
Seite der Atemwegsepithelzellen gelangen zu lassen, oder die Trägervektoren
so umzuzielen, daß sie an vorhandenen Proteinen der apikalen Seite binden und
diese als neue" Rezeptoren zum Eintritt in die Zelle nutzen können. Solche
umkodierten Adenoviren müssen jedoch als weitere Barriere zunächst bestimmte
Bestandteile der Zelloberfläche, der sogenannten Glykokalix überwinden, die
eine Permeabilität und ein Vordringen zu den Rezeptoren erschwert. So ist es
notwendig, die Zelloberfläche mit bestimmten Enzymen wie Neuramidasen, Trypsin,
Keratase oder Leukozytenelastase vorzubehandeln, die zur Zerstörung bzw. Veränderungen
der Glykokalix führen. Ein anderer Ansatz ist die Entwicklung von Vektoren
geringerer Größe oder mit Eigenschaften, die der Struktur der Glykokalix besser
angepaßt sind (z.B. Retroviren, Lentoviren).
Die natürliche mukoziliäre Clearance führt
auch zu einer Clearance der eingesetzten Trägersubstanzen, d. h. von der eingesetzten
Menge verbleibt nur ein kleiner Teil in den Atemwegen. J. Zabner aus lowa fand
heraus, daß bestimmte gelartige Lösungen, in dem die Trägersubstanzen bewahrt
sind, so z.B. Thixotropische Lösungen statt PBS den Gentransfer zum Atemwegsepithel
effizienter machen.
Nach erfolgter Einschleusung der Genvektoren
(z. B. Adenoviren) in die Zielzelle wird eine Immunrekation ausgelöst, mit der
Folge, dass "befallene" Zellen zerstört werden. TN-Faktoren induzieren u. a.
eine Apoptose der von Viren befallenen Zellen über Bindung an bestimmte Ligaden,
die bei Virusbefall vermehrt exprimiert werden. Eine Blockade solcher Liganden
durch einen Zusatz spezifischer Rezeptoren (TNF-related apoptosis inducing ligands
receptors) wie DR5 könnte zu einem verlängerten Verbleiben der zugeführten genetischen
Information in der Zelle des Atemwegsepithel führen (Lin et al, Birmingham,
AL, USA), indem einen Apoptose verhindert wird. Harvey et al zeigte, daß ein
Gentransfer über Adenoviren sowohl bei CF-Patienten als auch Gesunden zu einem
mäßigen systemischen IL6-Anstieg führt, der sicherlich nicht allein für die
Elimination der Genträger nach Applikation auf die Atemwege verantwortlich ist.
Ein Einsatz der Gentherapie bei CF zur antientzündlichen
Therapie beschrieben Virellen-Lowell et al aus Cleveland, USA. Auf der Grundlage,
daß es bei einer Entzündungsreaktion in den Atemwegen von CF-Patienten zu einem
massiven Anstieg von IL 8 (proinflammatorisches Cytokin) verbunden mit sehr
niedrigen IL10-Spiegeln (antiinflammatorisch) kommt, wurde im Mausmodell eine
Gentherapie entwickelt, bei der die eingesetzten Vektoren"rAAV" (recombinant
adeno-assoziierte Viren) die Information für IL10-Cytokine entwickelten. Solche
rAAV-IL10-Vektoren wurden intratraleal instilliert bei Mäusen mit einem IL10-Mangel.
Nach 8 Wochen waren in der BAL etwa 2-fach weniger neutophile Granulozyten vorhanden
als bei den unbehandelten Mäusen als Zeichen einer antiinflammatorischer Antwort.
Versuche an Pseudomonas infizierten CFTR knock-out Mäusen stehen noch aus.
Griesenbach et al aus London benutzte den
neu entwickelten Sendai-Virus als für IL10 (Se-V-IL10). Durch intranasale Instillation
oder intramuskuläre Injektion solcher Vektoren konnte bei Mäusen nach 2 Tagen
ein erhöhter IL10-Spiegel sowohl lokal als auch im Serum festgestellt werden.
Ein erfolgreicher Gentransfer zu Behandlung
der CF wird dadurch limitiert, daß die für die eingesetzten Viren benötigten
Rezeptoren nicht an der apikalen Seite der Atemwegsepithelzellen, sondern an
der basolateralen Seite lokalisiert oder funktionell aktiv sind. Ein weiterer
Weg um zu erreichen, daß auch Rezeptoren der apikalen Seite genutzt werden können,
ist die Kombination der bekannten Trägerin (Adenoviren, Lentoviren, Adeno-assoziierte
Viren) mit anderen Viren, die an apikalen Rezeptoren
ansetzen können, wobei sie mit ihren Glykoproteinen die der eingesetzten Vektoren
überdecken.
Verschiedene Modelle wurden inzwischen getestet.
Am erfolgreichsten scheint ein Pseudotyp aus der Familie der Filoviren zu sein,
dessen "Marburg" Glykoprotein in der Lage ist, über das apikale Zellepithel
die Zelle zu infizieren. In Kombination mit einem geeigneten Vektor könnte so
ein Transfer der CFTRcDNA zum CF-Peithel auch von der apikalen Seite her möglich
werden.
Waltus et al fand heraus, daß im Gegensatz
zu adeno-assoziierten Viren vom Typ 2 (AAV2) solche vom Typ 5 in der Lage sind,
die Atemwegsepithelzellen von ihrer apikalen Seite zu infizieren. Es wurden
bis zu 930 Rezeptoren an einer apikalen Seite gefunden, die mit hoher Affinität
AAV5 binden.
Eine weitere Möglichkeit einen virenvermittelten
Gentransfer effizienter zu machen, ist die Beeinflussung der interzellulären
Permeabilität.
Wie gesagt, befinden sich die für die am
meisten eingesetzten Viren zugehörigen Rezeptoren auf der basolateralen Seite
der Atemwegsepithelzellen. Da die Viren aber von der apikalen Seite an das Epithel
gelangen, wird ein effizienter Gentransfer enorm erschwert. Zwischen den Zellen
befinden sich interzelluläre Verbindungen wie tight junctions, adherens junctions,
Desmosomen und Gap junctions, die das apikale Kompartement vom basalen trennen.
Diese intrazellulären Verbindungen unterliegen in ihrem Aufbau und Erhalt einer
Caiciumabhängigkeit.
Durch Bindung von Calcium über Ca+Chelate
(z.B. EGTA, EDTA) kann der Verbindungskomplex geöffnet werden,
die viralen Vektoren gelangen von der apikalen zur basalen Seite und erreichen
die dort lokalisierten Rezeptoren und ein Gentransfer in die Zelle kann stattfinden.
Die Verbindung von Vektoren mit EGTA in einer
hypotonen Pufferlösung konnte in vitro den Gentransfer via die apikale Oberfläche
von menschlichem Atemwegsepithel deutlich erhöhen. In vivo führten Ca-Chelate
zu einer Verringerung der transepithelen Spannung, so dass eine Öffnung der
interzellulären Verbindungen wohl auch hier stattgefunden hat. Bei Versuchen
an Kaninchen konnte durch diese Methode sowohl der durch Retroviren als auch
durch Andenoviren vermittelte Gentransport ins Atemwegsepithel erhöht werden.
Funke et al: Sec-Rezeptoren führen zu einem
gezielten Gentransport molekularer Verbindungen in die Zelle, in dem eine Endozytose
ausgelöst wird. Bevor der Zellkern erreicht wird, zerfällt der molekulare Komplex
in seine Einzelteile. Dieser Prozeß ist u. a. temperaturabhängig, da der SEC-Rezeptor
ernergieabhängig arbeitet. Die DNA-Komplexe wurden über confokale Mikroskopie
bereits 2 Minuten nach Inkubation in Cytoplasmen der Zellen gesehen, nach 5
Minuten war die DNA im Nukleus nachweisbar.
Quelle:Pulmopharm Info Service