Dr. med. Joachim Bargon und Dr. med. Stefan Loitsch, Med. Klinik II, Frankfurt/Main
Workshop "Innate host defense"
In dieser Sitzung begann Mc Morran mit der
Vorstellung seines Mausmodells, das, im Gegensatz zu einigen anderen CF-Mäusen,
ein scheinbar brauchbares Modell für die chronische Pseudomonas-Infektion bei
CF sein könnte (G551 DCF Maus).
In den nächsten Vorträgen war der Schwerpunkt
Surfactant. Die Surfactant Aktivität ist bei CF-Patienten mit Inflammation in
der Lunge, wie auch M. Griese zeigte, reduziert. SP-A wird durch Neutrophile
Elastase gespalten und die Gruppe von Remold-O'Donell konnte zeigen, daß BAL
von CF-Patienten dies tut. Durch Zugabe von Monocyten/Neutrophilen Elastase
Inhibitor (MNEI) konnte dies weitgehend verhindert werden. Freie Neutrophile
Elastasen bei CF scheinen also nicht nur zur Gewebezerstörung und Inflammation
in der Lunge beizutragen, sondem auch die antimikrobielle Abwehr zu vermindern.
J. Whitsett stellte Ergebnisse vor mit SP-A
und SP-D defizienten Mäusen. Beide zeigten nach Exposition mit Hämophilus influenza
eine deutlich ausgeprägtere inflammatorische Antwort als normale Mäuse sowie
eine verminderte Makrophagenaktivität. Nur in SP-A defizienten Mäusen vermehrten
sich die Keime schneller. Die Schlußfolgerung der Arbeitsgruppe war, daß das
Fehlen von SP-A und SP-D zu einer gesteigerten Inflammation führt und daher
die Gabe dieser Substanzen diese bei CF reduzieren könnten.
Moser stellte in seine Vortrag ß-Defensin
1 und 3 knock-out Mäuse vor. In ersten Ergebnissen konnte er zeigen, daß in
den knockout-Mäusen die Clearance für Hämophilus leicht reduziert war, für Staph.
aureus aber gleich. Es bleibt unklar, welche Rolle die Defensine bei der Maus
für die lokale Abwehr in der Lunge bei welchen Keimen spielen, Schlußfolgerungen
für CF und den Menschen sind nicht möglich.
"Defekte antikrobielle Funktion der Atemwegssekrete in CF"
Tomas Ganz berichtete im Symposium von seinen
Ergebnissen der Messung der antimikrobiellen Aktivität im Nasensekret. Mit ihrer
entwickelten Methode gewinnen sie durch Saugung aus der anterioren Nasenmukosa
Nasensekret, dessen intrinsische antimikrobielle Aktivität sie ex vivo untersuchten.
Bei normaien Probanden war das Sekret in der Lage, die endogene Flora abzutöten.
Bei 20% der Gesunden war dies nicht der Fall. Diese Gruppe zeigte sich als jene,
die mit Staph. aureus kolonisiert waren und entspricht ungefähr der Prävalent
von Staph. aureus Trägem in der gesunden Bevölkerung. Beim Vergleich zwischen
dem Nasensekret von Gesunden und CF-Patienten konnte Ganz zeigen, daß das CF-Nasen-Sekret
im Gegensatz zu dem von Gesunden keinerlei Aktivität gegen Pseudomonas aeruginosa
zeigte. Bei anderen Keimen bei unterschiedlichen NaCI-Konzentrationen gemessen
zeigten sich keinerlei Unterschied zwischen CF und Gesunden. Im CF-Sekret scheint
daher eine spezifische antimikrobielle Aktivität zu fehlen. Noch bleibt aber
unklar, ob dieses Fehlen primär ist oder sekundär erworben durch die chronische
Infektion. Nächstes Ziel ist es nun, Kinder im frühen Stadium der Erkrankung
zu untersuchen, um diese Frage zu beantworten.
Inflammation ohne Infektion?
Eine weitere Vortragsreihe befaßte sich mit
der Frage nach frühen inflammatorischen Veränderungen in den Atemwegen von CF-Patienten.
Ein überwiegender teil der Autoren verlangt hierbei nach einem Paradigmenwechsel.
Während man sich überwiegend einig ist, das Morbidität und mortalität bei cystischer
Fibrose durch die Neutrophil-dominierte Inflammation verursacht werden, ist
der zeitliche Ablauf der Vorgänge vermutlich anders als bisher angenommen.
Während man bislang glaubte, das erst eine
bakterielle Infektion zur persistierenden Inflammation der CF-Atemwege führt,
verdichten sich inzwischen die Hinweise darauf, das bei cystischer Fibrose eine
Inflammation schon vor einer Infektion vorliegt. Mehrere Arbeiten berichten
von einer erhöhten Konzentration von IL-8 und einer erhöhten Anzahl an Neutrophilen
in der bronchoaleveolären Lavage von CF-Patienten, bei denen keine Infektion
nachzuweisen ist. Bei Mäusen lassen sich diese Veränderungen sogar in Föten
nachweisen, die noch keinen Kontakt mit Erregern gehabt haben können.
Die Mutation von CFTR führt anscheinend zu
einem erhöhten basalen Entzündungslevel. Edith Puchelle glaubt im Zusammenhang
mit der Ausschüttung von IL-8 an eine Störung der intrazellulären Signaltransduktion.
Offensichtlich ist in ihrem ex vivo-Modell die Aktivierung des Transkriptionsfaktors
NF-kappaB gestört. Dies läßt sich zurückführen auf ein geringeres Level an cytosolischem
IkappaB-alpha, einem Protein, das für die Regulation der NFkappaB -Aktivität
verantwortlich ist.
Die Daten von Edith Pucheile werden auch
durch die Ergebnisse von Thomas Kelly unterstützt, dessen Arbeitsgruppe sich
unter anderem mit der induzierbaren Form der nitric oxide synthase (NOS2) beschäftigt.
Die induzierbare Form von NOS2 liegt bei CF in reduzierter Menge vor.
Induziert wird die Expression der NOS2 unter
anderem von dem bereits erwähnten NFkappa B. Dies geschieht über synergistische
Effekte mit Interferon gamma-abhängigen Signalwegen. Negative Regulatoren von
NOS2 sind TGF-beta1 und der Signaltransduktionsweg über die Phosphatidylinositol-3
Kinase (PI3K). Die Arbeitsgruppe um Thomas Kelly konnte zeigen, das neben den
Effekten über NFkappa B eine gesteigerte Aktivierung der PI3K an den inflammatorischen
Vorgängen bei cystischer Fibrose beteiligt ist.
Diese Arbeiten stellen ohne Zweifel einen
richtungsweisenden Beitrag zum Verständnis der Steuerung inflammatorischer Vorgänge
bei CF dar. Gleichzeitig bietet die Arbeit von Kelly einen neuen therapeutischen
Ansatzpunkt, da zuverlässige Inhibitoren der PI3K seit einiger Zeit verfügbar
sind. Ihre klinische Relevanz muß jedoch noch evaluiert werden.
Neben zahlreichen weiteren Arbeiten, die
eine Inflammation ohne Infektion propagieren, gab es jedoch auch Gegenstimmen.
So berichtete D. Armstrong, das es ihm und seiner Arbeitsgruppe nicht möglich
war inflammatorische Vorgänge zu detektieren, die nicht auf eine Infektion zurückzuführen
waren. Eine Diskussion der Ergebnisse führte zu keinem Konsens.
Eine allgemein akzeptierte Übereinkunft
gibt es also zur Zeit nicht. Dennoch ist die Theorie einer Inflammation ohne
Infektion durch eine stetig wachsende Zahl an Publikationen mit entsprechenden
Daten auf dem Wege sich durchzusetzen.
Quelle:Pulmopharm Info Service