Dr. med. Lutz Nährlich, Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche, Erlangen
Die nasale nichtinvasive Beatmung (NIV) hat sich seit den ersten Berichten von
Magaret Hodson als eine Therapieoption zum Bridging hin zur Lungentransplantation
bei CF-Patienten etabliert. Zur Rolle der NIV bei der Therapie der akuten respiratorischen
Insuffizienz liegen nur wenige Daten vor. Christine Mikelson vom London Chest
Hospital berichtete über ihre Erfahrung mit der nasalen nichtinvasiven Beatmung
bei 12 Patienten. Bei 6 Patienten konnte sie eine Verbesserung von paCO2
und paO2 sowie eine klinische Stabilisierung erreichen. Dies galt
auch für 4 von 6 Patienten, die im Rahmen einer akuten respiratorischen Insuffizienz
auf eine NIV eingestellt wurden. Bei der Hälfte aller Patienten mußte die Therapie
bei Sputumretention allerdings abgebrochen werden. Refka Hamuctu vom Childrens
Hospital in Los Angeles berichtete über das Outcome von 17 CF-Patienten mit
akuter respiratorischer Insuffizienz. Primär wurde bei den meisten Patienten
eine NIV versucht. Bei der Hälfte (!) gelang eine Stabilsierung mittels NIV.
Die Mortalität aller Patienten betrug 40%. Immerhin 4 von 17 Patienten konnte
in der Folge erfolgreich transplantiert werden. In ihrer Untersuchung korrelierte
FEV1 nicht mit dem Outcome der Patienten. Pulmonale Hypertension
und fehlende PaCO2 - Verbesserung innerhalb der ersten 48h waren
mit einem schlechten Outcome verbunden. Thomas vom Royal Brompton Hospital in
London berichtete über 12 erwachsene Patienten, weiche im Rahmen einer akuten
respiratorischen Insuffizienz intubiert und konventionell kontrolliert beatmet
wurden. Ebenfalls 40% überlebten das akute Ereignis und konnten nach Hause entlassen
werden. Die 6-Monatsüberlebensrate betrug 16%. Insgesamt empfahlen alle Autoren
den frühzeitigen Einsatz der NIV auch bei der akuten respiratorischen Insuffizienz
bei Patienten auf der Warteliste für eine Lungentransplanatation. Bei Patienten
ohne Transplantationsoption bleibt die Bedeutung intensivmedizinischer Maßnahmen
weiterhin (!) fraglich. lntensivmedizin sollte nicht den Sterbeprozeß verlängern
wie Magaret Hodson vom Royal Brompton Hospital noch einmal betonte.
Zentralvenöse Gefäßzugänge sind für CF-Patienten mit häufigen intravenösen Antibiotikazyklen
eine wesentliche Therapieerleichterung. Sanda Jones aus Albany/USA berichtete
über die Anwendung von 192 peripher gelegten, zentralvenös vorgeschobenen Kathetern
zur intravenösen antibiotischen Therapie bei 54 Patienten (Alter 15 Monate-
37 Jahre). Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 13 Tagen konnten 96%
aller Therapien erfolgreich abgeschlossen werden. Cirka die Hälfte der IV -Therapien
wurde ambulant durchgeführt. Die Komplikationsrate betrug 7%. Neben Katheterobstruktionen
und Thrombophlebitis wurden Dislokationen und Leckagen beobachtet. Erstaunlicherweise
wurden keine Katheterinfektionen beobachtet, was auf eine gute Versorgung zurückgeführt
wurde. Die Technik könnte die Akzeptanz von häufigeren Antibiotikatherapiezyklen
erhöhen, allerdings sind keine Langzeiterfahrungen verfügbar.
Zentralvenöse Katheter sind allerdings mit einem erhöhten Thromboserisiko verbunden.
Suchada Sritippayawan aus dem Childrens Hospital von Los Angeles präsentierte
einen Patienten mit transitorisch-ischämischer Attacke aufgrund einer paradoxen
Embolie bei Portkatheter und persistierendem Foramen ovale. Silke van Konigsbruggen
aus Köln untersuchte 40 CF-Patienten ohne positive Thromboseanamnese auf einen
Protein C,S-Mangel, Antithrombin III-Mangel, APC-Resistenz, Faktor V-Leiden-Mutation
und Prothrombinmutationen. Danach scheint das Thromboserisiko von CF-Patienten
gegenüber der Normalbevölkerung erhöht zu sein.
Quelle:Pulmopharm Info Service