(Meldung vom 30.1.1998)
Wissenschaftler der Universität von Pennsylvania haben Tieren
erfolgreich Spenderlebern eingepflanzt, ohne - wie normalerweise
nötig - mit scharfen Medikamenten gegen die Immunabwehr des
Empfängertieres vorzugehen.
"In unserer Studie reichte eine einzige Gentherapie an der
Spenderleber aus, damit der Körper des Empfängers das
neue Organ toleriert," begeistert sich Kim Olthoff. Der Wissenschaftler
berichtet von seinem Erfolg in der aktuellen Ausgabe des Magazins
"Nature Medicine". Er hofft, daß die von ihm und
seinen Kollegen entwickelte Methode auch beim Menschen die Transplantation
von Organen erleichtert.
Die Forscher manipulierten einen Grippevirus, um fremde Gene in
die Spenderleber zu schleusen. Ein Virus transportiert normalerweise
die eigenen Gene in einen Wirtsorganismus und zwingt ihn dadurch,
neue Viren zu produzieren. In diesem Fall aber trug der Virus nur
Gene, die den Wirt veranlassen, das Protein mit dem komplizierten
Namen "CTLA4Ig" herzustellen. Das Protein wirkt wiederum
auf die sogenannten T-Zellen des Wirtes wie ein Signal, das fremde
Gewebe nicht anzugreifen. T-Zellen sind die Frontsoldaten der Immunabwehr.
Werden sie überlistet, kann ein neues Organ im Wirt überleben.
Erhalten die T-Zellen zudem direkt nach der Transplantation das
CTLA4Ig-Signal, greifen sie auch in Zukunft das neue Organ nicht
an. Eine solche Therapie braucht also nur einmal angewandt werden,
um die Immunabwehr für immer zu überlisten.
Damit die manipulierten Grippeerreger die Gene in die Leber transportieren,
gaben die Wissenschaftler die Viren in eine Flüssigkeit, in
der das Spenderorgan nach seiner Entnahme aufbewahrt wird. Wird
das Organ dann in den Wirtsorganismus eingesetzt, produziert es
das Protein CTLA4Ig und entschärft dadurch sofort und für
immer die T-Zellen im Wirtsorganismus.
"Derzeit muß nach Transplantationen die Immunantwort
ein Leben lang regelmäßig unterdrückt werden. Das
schwächt die Patienten und macht sie empfänglich für
Infektionen, Krebs und zahlreiche andere Komplikationen," erklärt
Olthoff. Die Wissenschaftler wollen jetzt in weiteren Tierversuchen
klären, ob die von ihnen entwickelte sanfte Methode auch beim
Menschen Erfolg haben könnte.
[Quelle: Andreas Wawrzinek, Universität von Pennsylvania]