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IONENTRANSPORT bei MUKOVISZIDOSE

 

Dr. Ernst M. App, Universitätsklinikum Freiburg im Breisgau

Weiterhin kontrovers diskutiert werden die tatsächlich herrschenden IONEN-(Elektrolyt)-Bedingungen an der respiratorischen Schleimhaut bei CF. R. Boucher hält an seiner bisherigen These fest, daß isotone Bedingungen vorherrschen. M. Welsh hat sich auf dieser Tagung zu seiner These der hypertonen Bedingungen nicht geäußert.

Die isotonen Bedingungen nach Boucher bedeuten an der respiratorischen Schleimhaut einen Natriumgehalt von 100-120 mM, Chloridgehalt von 95-110 mM, pH-Wert von 6.8-7.0 mit serumidentischen osmotischen Werten.

Seine These besagt jedoch weiter, daß trotz dieser quasi ionenneutralen Bedingungen an der Schleimhaut, im Vergleich zum Serum, das auf der Schleimhaut vorhandene Volumen bei CF im Vergleich zu gesunden Normalpersonen nach seiner Modellrechnung um ca. 2/3 reduziert ist. Dieses verursacht vor allem eine Störung der Interaktion von Zilien in der Solphase mit dem Mukus der Gelphase. Dieses wiederum hat eine verminderte Mukusclearance mit entsprechenden klinischen Symptomen zur Folge.

Dieser Volumenmangel muß nach Boucher daher kompensiert werden, um quasi "normale" Verhältnisse zu erhalten. Er führte hierzu eine ganze Reihe von Untersuchungen an, die seine These stützen sollten. Die Applikation von Wasser alleine auf die Schleimhaut ist zu kurz wirksam, besser sind nach Untersuchungen von M. Robinson Salzlösungen, die mit zunehmendem Satzgehalt auch zunehmend wirksamer sind. Eine Kombination von Amilorid mit hypertoner Kochsalzlösung war dabei effektiver als jede dieser beiden Lösungen für sich alleine. Boucher führte auch verschiedene Zucker wie Manitol und Dextran als mögliche Therapeutika auf, da diese als osmotisch wirksame Substanzen Wasser „binden“ und auf diese Weise den Volumenmangel reduzieren könnten.

Selbstverständlich würden auch P2Y2-Agonisten zu einer Ca-vermittelten Chloridsekretion führen, sowie UTP-Analoga oder auch Natriumkanalblocker (INS 365, INS 542 und INS 37217 etc.). Sie würden somit dieses Volumendefizit ausgleichen und die Mukusclearance verbessern. Viele dieser Substanzen, mit Ausnahme von INS 37217, sind jedoch nur relativ kurz wirksam (ca. 30 Minuten) und müßten daher wiederholt oder aber in Kombination inhaliert werden.

Bemerkenswert erscheint mir persönlich, daß die vor allem in Deutschland über Jahrzehnte propagierte Kochsalzinhalation auch eine hypertone Lösung, jetzt in den USA wieder "hoffähig" geworden zu sein scheint. Wir alle erinnern uns noch an die Ergebnisse der vor Jahren vorgestellten Defensin-Studien, daß Defensine mit zunehmendem Kochsalzgehalt inaktiviert werden. Dieses scheint Schnee von gestern und heute nicht relevant zu sein.

Wir wußten schon immer, daß Kochsalz-Inhalationen für unsere Patienten gut waren. Diese Europäischen Studien wurden jedoch auch nicht erwähnt!

Quelle:Pulmopharm Info Service

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erstellt am 22.11.2000 von Joachim Unterspan
letzte Revision am 21.11.2001