Dr. med. Joachim Bargon und Dr. med. Stefan Loitsch, Med. Klinik II, Frankfurt/Main
Frühe inflammatorische Prozesse auch ohne Infektion werden seit längerem bei CF diskutiert. Auch die exzessive, neutrophilen-dominierte Entzündung bei und nach Infektion ist zwar mehrfach beschrieben, aber deren genaue Ursache noch nicht völlig geklärt.
Im workshop "Lung injury" ging es um diese Fragen.
Noah et al berichteten von ihren Untersuchungen
der Beziehung zwischen Surfactant Protein A und Inflammation sowie Bakterienmenge.
Sie hatten 35 CF Kinder und 27 gesunde Kinder (mittleres Alter 1,8 Jahre) bronchoskopiert
und lavagiert und SP-A sowie Inflammation als auch Bakterienlast untersucht.
Es zeigte sich eine negative Korrelation zwischen SPA und Bakterienmenge in
der BAL sowie Inflammation. Die Ergebnisse legten die schon bekannte Defizienz
von SPA bei CF dar. Ihre Schlußfolgerung: Die Gabe von SP-A als Therapie könnte
die bakterielle Clearance bei CF verbessern und die Inflammation reduzieren.
T. Spender zeigte seine Ergebnisse über die
neutrophilen Defensine bei CF. Die Arbeitsgruppe hatte 13 CF Patienten und 3
Gesunde ebenfalls mittels BAL untersucht und die Zellzahl und die Zellverteilung
sowie die Defensinmenge und IL8 untersucht. Wie allgemein bekannt, war die Neutrophilenzahl
bei CF-Patienten massiv erhöht und korrelierend damit die Defensinmenge (5000
mal mehr als bei Gesunden). Sie untersuchten ferner, ob die Neutrophilen-Defensine
toxisch sind und konnten feststellen, daß sie sowohl Makrophagen als auch Epithelzellen
schädigen. Die Neutrophilen stimulierten die TNF-a, LTB4 und IL8 Sekretion von
Makrophagen und trugen so selbst zur Entzündungskaskade bei. Alpha-1-Antitrypsin
war in der Lage, die Reaktionen zu mildem. Allerdings nur in der Relation 1:1,
die Defensinmenge bei CF war allerdings 100-fach höher als die des A1AT.
In 2 weiteren Vorträgen ging es um die Metalloproteinasen
(MMPs), die bei CF vermehrt exprimiert werden und die ebenfalls in der Lage
sind, Zellschäden auszulösen und die Inflammation zu unterhalten. Alpha-1-AT
war auch hier in der Lage, die MMPs zu inhibieren. W. Parks zeigte insbesondere
Daten über Matrilysin. Matrilysin-Defizienz in Mäusen, die Bleomycin bekamen,
um eine Lungenfibrose auszulösen. Sie starben nicht, im Gegensatz zu den normalen
Mäusen, die die gleiche Menge Bleomycin erhielten. Bei der histologischen Untersuchung
zeigte sich, daß bei den Matrilysin-defizienten Mäusen kaum Neutrophile in der
Lunge waren, im Gegensatz zu den Wildtyp-Mäusen.
Belucci untersuchte die Rolle der MMPs auf
die proteolytische Aktivität im CF-Sputum. Inkubation von CF-Sputum löste eine
Spaltung der extrazellulären Matrix (EM) aus. Dieser Effekt konnte durch A1P1
inhibiert werden. Die Ergebnisse legen nahe, daß die MMP-Aktivität im CF-Sputum
eine Rolle bei der Degradation der EM spielt und ein therapeutischer Ansatz
die MMP-Inhibition sein könnte.
D. Kube berichtete über Ergebnisse ihrer
Arbeitsgruppe, die gezeigt haben, daß nach Zerstörung der tight-junctions der
Epithelzellen die Gabe von Pseudomonas die Entzündungreaktion deutlich erhöht.
Da z.B. virale Infektionen die Integrität der Epithelbarriere zerstören, könnte
dies erklären, warum virale Infekte oft zu einer dramatischen Exazerbation bei
CF führen. Ansätze, diese Epithelbarriere zu lockern, z.B. um eine Gentherapie
effizienter zu machen, müssen aufgrund dieser Ergebnisse überdacht werden.
Quelle:Pulmopharm Info Service