Dr. med. Falko Panzer, Kinderarzt, Mannheim
In der Erwartung einer theoret. zwar möglichen,
klin. aber noch nicht praktikablen Korrektur des CF-Basisdefektes konzentrieren
sich neue Therapieansätze im wesentlichen auf:
- Die Effizienzsteigerung der Gentherapie
- Verbesserung der Vektoren
- Übertragung von Modifier-Genen
- Verbesserung der CFTR-Genfunktion
- Die Behandlung der durch den Gendefekt bedingten klinischen Folgeerscheinungen,
insbesondere an der Lunge CF-Betroffener
- Entzündung
- Infektion
1A1. Verbesserte Effektivität der Vektoren
Engelhard (lowa): Verbesserung
des intrazellurären Vektortransportes am Beispiel des AAV6: Durch die apikale
Zellmembran eingeschleuste Vektoren werden zu einem großen Teil in sog. Proteasomen
abgebaut. Diese Degregation lässt sich in vitro und in vivo erfolgreich blockieren.
Durch die proteasome-inhibition wird die intrazelluräre Transportrate des Vektors
zum Nukleus deutlich erhöht.
1A2. Erhöhte Genexpression
Das Einschleusen des CFTR-Gens in den Zellkern
wird durch die Größe des Vektors (CFTR + promotor- + intron-Sequenz) behindert.
Die neue Methode des sog. Trans-splicings erlaubt die Bildung eines deutlich
kleineren Vektors, der sowohl CFTR, als auch die das CFTR-Gen regulierenden
Promotor- und Intron-Sequenzen enthält. Der CFTR tragende AAV6-Vektor bildet
im Zellkern eine circuläre Struktur (circular concatamerization), die eine suffiziente
CFTR-Expression mit ausreichender Proteinbildung gewährleistet.
1B.
Wine (Stanford)
berichtet, daß Modifier-Gene den klinischen Verlauf der Erkrankung unabhängig
vom zugrundeliegenden Gendefekt positiv oder negativ beeinflussen. Die Mutation
des MBL (mammose binding lectin) - Gens beispielsweise führt zum Mangel an MBL,
einem Serumprotein, welches die LUFU der Patienten negativ beeinflußt und somit
zu einer deutlich verkürzten Lebenserwartung führt. Durch Gentherapie, sprich
Übertragung des MBL-Gens, läßt sich die Prognose der Erkrankung durch Erhöhung
der MBL-Produktion deutlich verbessern.
1C1.
Guggino (Baltimore):
Delta F508 führt durch mangelhaftes folding des CFTR-Proteins im Rahmen
einer intrazell. Qualitätskontrolle zur Degregation des fehlerhaften Proteins.
Substanzen wie Phenylbutyrat vermögen diese Degregation zu blockieren. Somit
gelangt das fehlerhafte CFTR nun an die apikale Zellmembran und vermag dort
eine klinisch relevante Restfunktion auszuüben. Erste klinische Studien belegen
den Erfolg dieses neuen Therapieansatzes.
1C2. Verkman (SF):
Weitere Substanzen zur Beeinflussung der fehlerhaften CFTR-Funktion können
durch die Neuentwicklung des sog. High Throughput Screening-Verfahrens computergesteuert
und in kürzester Zeit auf ihre potentielle Effektivität überprüft werden. Fluoreszierende
Proteine dienen als Indikatoren für einen funktionierenden CFTR-Chloridkanal.
2A. Entzündung
Armstrong (Australia): Untersuchungen
an sehr jungen CF-betroffenen Säuglingen (1-3 Monate) sprechen gegen die Hypothese,
daß ein CF-Basisdefekt zu einer primären Inflammation des Bronchialgewebes ohne
vorherige Infektion führt. Infektgetriggert kommt es jedoch zu einem überschießenden
Einstrom von proinflammatorischen Zytokinen (IL8) in das Bronchialgewebe bei
gleichzeitig sehr niedrigen Spiegeln von antiinflammatorisch wirkendem IL-10.
Durch Gentherapie läßt sich mit Hilfe eines
RAAV-IL10-Vektors im Tiermodell eine wesentliche Reduktion der neutrophilen
Entzündung nach Infektion erreichen, die auf einer induziert gesteigerten Produktion
von IL10 beruht. Die antiinflamm. Gentherapie birgt die Chance einer vielversprechenden
Erweiterung der bisherigen Gentherapie zur Korrektur des Basisdefektes.
2B. Infektion
2B1. Grenberq berichtet
über das Vorhandensein von Kommunikationsstrukturen zwischen Bakterien, die
im Falle der Pseudomonas aerug.-Infektion zur Formation von Biofilm-Strukturen
führen. Durch Inhibierung dieser als Quorum-sensing bezeichneten Signale, die
von den Bakterien ausgesandt werden, könnte die Bildung der Alginatmatrix (mukoide
Formen) verhindert werden. Antibiotikaresistenzen ließen sich möglicherweise
vermeiden.
2B2.
In Anbetracht der
infektinduzierten überschießenden Entzündungsreaktion in der CF-Lunge spielen
Maßnahmen der Infektverhütung bzw. der frühen Antibiotika-Therapie eine zunehmende
Rolle. Die Langzeitergebnisse der hochdosierten Tobramycin-Inhalation (2 x 300
mg TOBI) beispielsweise erweist sich als sicher und effektiv in Bezug auf die
Verbesserung der LUFU und der Reduktion von Exazerbationen. Der historische
Begriff der Antibiotikaresistenz.bedarf einer Neudefinition. Klinische Erfahrungen
demonstrieren die in vivo-Wirksamkeit trotz in vitro bestimmter Resistenzen.
2B3.
Saimann, NY:
Ähnliche Erfolge zur Verbesserung der LUFU und einer Gewichtszunahme konnten
in ersten kontrollierten Studien zum Einsatz von Makroliden bei Kindern unter
12 Jahren demonstriert werden.
2B4.
Tiddens, NL: Auch
die zweijährige early intervention study zum präventiven Einsatz von Pulmozyme
(2,5 mg /die) dokumentiert eine signifikante Verbesserung der LUFU und eine
Reduktion der Exazerbationsraten (34%). Hieraus wird möglicherweise eine neue
Indikation für ein bereits bekanntes Medikament erwachsen.
Nutritional benefits of Chronic Intermittend Pseudomonas aeruginosa Supression with Tobramycin Solution for Inhalation in Adolescents
Casey, S. et al.
Der Ernährungszustand adoleszenter CF-Patienten
hängt wesentlich von ihrer Lungenfunktion ab. Die Daten von 130 Pseudomonas
aeruginosa infizierten Teilnehmern der TOBI® Studie (NEJM 328
(1999), 1740-6) im Alter von 13-17 Jahren wurden deshalb in der vorliegenden
Arbeit mit dem Ziel ausgewertet, einen Einfluß frühzeitiger inhalativer Antibiotikatherapie
auf den Ernährungsstatus zu belegen.
Innerhalb von 20 Wochen nahm das ideale Körpergewicht
von Placebo-Patienten im Mittel um 1,1% von 93,7% auf 92,6% ab. Im Gegensatz
hierzu zeigten Patienten der Verum-Gruppe, die 300mg bid Tobramycin Inhalationslösung
(TOBI®) in intermittierender Dauertherapie erhielten, nach 20 Wochen
Therapie neben einem signifikanten Behandlungseffekt auf die Lungenfunktion
(p<0.001) einen Anstieg ihres Idealgewicht um 1,4% von 95,5% auf 96,9%
(p = 0.001).
Nach 24 Wochen erhielten die vormaligen Plazebo-Patienten
ebenfalls Tobramycinlösung zur Inhalation nach obigem Schema. 20 Wochen Behandlung
in dieser offenen Studie führte zu einer Gewichtszunahme dieser Patientengruppe
von 3,3%. Das mittlere Idealgewicht stieg von 92,6 auf 96% an (P = 0.005).
Diese Daten zeigen, daß die Bekämpfung der
P.a. Infektion durch Inhalation von 300 mg bid Tobramycin Lösung zur
Inhalation nicht nur die Lungenfunktion verbessert, sondern auch die Gewichtszunahme
von adoleszenten CF-Patienten signifikant erhöhen kann.
Quelle:Pulmopharm Info Service