Greg Briggs Lungentransplantation

Dieser Beitrag wurde von Nina Briggs im Juli 1997 auf der amerikanischen CF-Mailingliste veröfentlicht. Sie hat mir erlaubt, diesen zu übersetzen und hier zu präsentieren. Er ist zwar lang, aber sehr lesenswert. Ich bitte, die vielleicht manchmal etwas holperige Übersetzung zu entschuldigen, aber ich bin nun mal kein Diplom-Übersetzer o.ä..

Mein Name ist Nina Briggs und mein Ehemann Greg ist 43 und hat CF. Normalerweise halte ich mich nur im Hintergrund, aber vor ungefähr einem Jahr schickte ich eine Nachricht an die Liste, in der ich schrieb, daß Greg endlich auf die Warteliste für eine beidseitige Lungentransplantation im Shands Krankenhaus an der Universität von Florida gesetzt wurde. Ich bin sehr glücklich, euch sagen zu können, daß er am 30. April 1997 endlich transplantiert wurde - gerade noch rechtzeitig. Es tut mir leid, daß es solange gedauert hat bis ich euch informiert habe, aber wir waren 2 Monate in Gainesville und dann, nachdem wir zurück nach Jacksonville gekommen waren, hat es mich einige Wochen gekostet alles aufzuarbeiten. Für diejenigen unter euch, die es interessiert: Ich werde euch mit auf unsere Odyssee nehmen, zumindest aus der Sicht einer Ehefrau.

Greg's erste Untersuchungen im Hinblick auf eine Transplantation wurden vor 2 Jahren vorgenommen. Zu dieser Zeit wurde ihm gesagt, daß es noch ein wenig zu früh für ihn sei auf die Liste zu kommen. Ungefähr 6 Monate später veranlaßte ihn sein Arzt als Ersatz für IV-Therapien mit Colistin zu inhalieren, da viele Antibiotika bei ihm nicht mehr wirkten. Dies schien ziemlich gut zu funktionieren und so wurde im Mai des vergangenen Jahres Greg zugebilligt auf die Liste zu kommen. Dann begann die Tortur mit meiner Versicherung, aber darauf will ich jetzt gar nicht eingehen. Es reicht wenn ihr wißt, daß es Greg fast das Leben gekostet hätte, weil die Versicherung die Aufnahme auf die Liste um zwei Monate bis Juli verzögerte.

Greg fühlte sich zu dieser Zeit ziemlich lausig und mußte 2 mal ins Krankenhaus. Zu dieser Zeit sagte mir sein Arzt hier, daß er nicht glaube, daß Greg die vorausgesagte einjährige Wartezeit auf der Liste überstehen würde. Es stellte sich heraus, daß er recht hatte, aber ich erzählte Greg nichts davon bis nach seiner Transplantation. Nach dem zweiten Krankenhausaufenthalt fanden wir heraus, daß Greg einen Aspergillus hatte. Die für die Behandlung erforderlichen Medikamente sind ziemlich teuer, aber sie waren es wert, weil er sich nach 3 Wochen so gut fühlte wie seit langem nicht mehr. Wir fuhren nach Atlanta (Braves Baseballspiel), South Carolina (Rehjagd), wieder Atlanta (SEC Football Meisterschaftsspiel), North Carolina (70ster Hochzeitstag von Greg's Großeltern), wieder South Carolina, und New Orleans (um zu sehen wie die Florida Gators die nationale Meisterschaft gewannen). Dies alles innerhalb von ca. 2 Monaten, zusammen mit Thanksgiving und Weihnachten und den Heimspielen der Jacksonville Jaguars. Während dieser Zeit ging Greg auch noch 3 mal die Woche zur pulmonalen Rehabilitation.

Ich weiß nicht, ob das alles für Greg zu viel war, oder ob es auf jeden Fall passiert wäre, jedenfalls wurde er 2 Tage nachdem wir von New Orleans zugekommen waren richtig krank (ich ebenfalls). Wir hatten uns wie immer gegen Grippe impfen lassen, aber anscheinend hatten wir einen Erreger erwischt, gegen den die Impfung nicht half. Jedenfalls landete er für 2 Wochen im Krankenhaus und wurde von da ab vollkommen Sauerstoffabhängig (zum schlafen hatte er ihn schon seit Jahren genommen). Dieser Erreger hatte wahrlich seine Wirkung auf Greg.

Nachdem Greg aus dem Krankenhaus gekommen war, ging er weiterhin zur Rehabilitation, aber sein Zustand verschlechterte sich zusehends. In seinen Füßen hatten sich auch noch Ödeme entwickelt, die das Laufen beschwerlich machten. Gegen Ende März entschloß er sich nicht mehr Auto zu fahren, da er seinen Reflexen nicht mehr traute, und so fuhren ihn seine Eltern und ich wohin immer er mußte. Gegen Mitte April ging er wieder ins Krankenhaus und am 16. April hatte er einen Tx-Fehlalarm. Ich bin so froh, daß ich schon im Krankenhaus war, da ich nicht gewußt hätte wie ich die mehr als 1 stündige Fahrt hierher hätte überstehen sollen, obwohl sein Bruder und seine Schwestern genau das machten (seine Eltern waren bei mir). Wir waren sehr enttäuscht, als die Spenderlunge nicht geeignet war, aber ich war so stolz darauf wie Greg reagierte. Die erste Frage, die er seinem Arzt mit tränenerstickter Stimme stellte, war ob die Lungen denn für irgendjemand anderen geeignet wären. Es ist mir peinlich zugeben zu müssen, daß dies nicht mein erster Gedanke war.

Ein paar Tage später gingen wir wieder nach Hause. Sein Arzt sagte ihm, daß er nicht mehr zur Rehabilitation gehen solle, sondern seine Energie aufsparen solle. Dies war wahrscheinlich die schrecklichste Woche unseres Lebens. Von da an war es für ihn ein harter Kampf nur zu atmen und es war so frustrierend ihn zu sehen und nicht ein bißchen helfen zu können. Ihm ging es so elend und nirgendwo war es ihm behaglich. Er brachte seinen Lehnstuhl ins Schlafzimmer, da er sitzend etwas besser atmen konnte und näher am Badezimmer war. Wenn er sich etwas hinlegte, kam er nach kurzer Zeit wieder nach Luft schnappend hoch. Ich versuchte den Anschein von Normalität zu erwecken indem ich arbeiten ging, während seine Mutter bei ihm war. Ich wollte nicht, daß Greg bemerkte wie besorgt ich war und ich wußte, daß seine Mutter gut für ihn sorgen würde. Am Morgen des 28sten, ich war fertig zur Arbeit zu gehen, kam seine Mutter herüber, aber ich ging doch nicht. Ich war fast die ganze Nacht mit Greg wach gewesen und ich hatte das Gefühl, daß er nicht stabil genug war, als das ich ihn hätte verlassen können. Ich rief den ganzen Tag über immer und immer wieder im Krankenhaus an und entschloß mich schließlich ihn am nächsten Morgen wieder zurück zu bringen.

Die nächste Nacht verbrachte ich wieder wach bei Greg. Er war so müde, aber jedesmal wenn er versuchte zu schlafen, wachte er nach Luft ringend auf. Es war schrecklich dies mitzuerleben - niemand sollte so leiden müssen. Seine Mutter und ich fuhren ihn am Dienstag morgen ins Krankenhaus und er war so schlecht dran, daß er sich daran nicht mehr erinnert. Als wir dort ankamen, war jeder, der ihn vorher gesehen hatte geschockt, aber sie bekamen es hin nicht in seiner Gegenwart zu weinen. Seine Sättigung war 74, PCO2 war 74, PO2 war 46 und seine Lungenfunktion etwa 10% - nicht gut. Sein Arzt kam um 5 und versuchte ihm eine Bi-pap genannte Atemhilfe zu legen, aber er konnte nicht damit atmen. Sein Arzt sagte mir, daß er denke Greg hätte noch 2 Wochen und daß ich nach Hause gehen sollte um etwas Ruhe zu finden. Seine Mutter blieb bei ihm, da sie die letzten 2 Nächte geschlafen hatte.

Ich war gerade mal eine Stunde zu Hause als sein Arzt anrief und sagte, daß ich zurückkommen solle - er war schockiert, daß es mit Greg so schnell ging. Seine Sättigung sei runter auf 64 und er wurde auf die medizinische Intensivstation gebracht. Ich sagte ihm, daß Greg nicht beatmet werden will (außer im Fall der Transplantation - er hat einen "Living will" und weitergehende Anweisungen) und er stimmte mir zu, daß es wahrscheinlich so am besten sei. Ich war zu müde um noch zu fahren, so fuhren unsere besten Freunde mich und meinen Schwiegervater zurück nach Gainesville. Das war die schlimmste Fahrt meines Lebens, aber ich wußte, daß Greg durchhalten würde bis ich da wäre. Einer der vielen Gedanken, die mir während der Fahrt durch den Kopf gingen war, wie ich die Krankenversicherung haftbar machen könnte, wenn Greg sterben würde, da sie seine Aufnahme auf die Liste um 2 Monate verzögert hatten.

Als wir ankamen waren sein Bruder und seine Schwestern bereits da. Er sah wirklich schlecht aus, seine Lebenszeichen waren sehr instabil und er konnte nur im sitzen atmen, aber er lächelte als ob er etwas wüßte von dem wir nichts wußten. Wie mir seine Mutter sagte, war der Arzt zurückgekommen und hatte über 30 Minuten bei ihm gesessen, seine Hand gehalten und sich versichert, daß er wirklich nicht beatmet werden wolle. Natürlich kann sich Greg an nichts mehr erinnern. Gegen 2 Uhr am Mittwochmorgen, während ich im Wartezimmer der Intensivstation war, wurde ich auf die Intensivstation zurückgerufen. Als ich ankam hielt gerade eine der Schwestern ein Telefon an Greg's Ohr. Sie gaben mir das Telefon und es war der Transplantationskoordinator, der mir sagte, daß sie dächten Lungen für Greg zu haben und daß sie gerade rausführen um sie zu überprüfen - Greg müsse noch ein bißchen länger durchhalten. Ihr könnt euch vorstellen was im Warteraum passierte, als ich zurückkam um es allen zu erzählen. Die Stimmung schwenkte sofort von Verzweiflung nach Hoffnung um. Um 6 Uhr morgens bekamen wir die Nachricht, daß die Lungen gut seien und um 7 war Greg im Operationssaal.

Die Operation dauerte mehr als 7 Stunden und wir bekamen währenddessen immer wieder aktuelle Informationen von dort. Normalerweise habe ich mich immer sehr unter Kontrolle, aber jetzt, nach 3 Tagen ohne Schlaf, war OK das Einzige was ich auf Vorschläge antworten konnte. Ich konnte nicht mehr denken oder Entscheidungen treffen - ich lies mich einfach treiben. Ich kann nur immer wieder betonen, wie wichtig es ist eine unterstützende Familie und Freunde zu haben - wir hätten es ohne sie nicht geschafft. Gegen 15:30 Uhr wurde uns gesagt, daß Greg nun auf der kardiovaskulären Intensivstation sei und wir ihn sehen könnten. Ihr werdet den Unterschied nicht glauben. Er war ROSIG - nicht grau und er atmete so leicht (Ich weiß, er wurde beatmet) - nicht mehr mit seinem ganzen Körper. Ja, an ihm hingen mehr Schläuche und Kabel als man zählen kann, aber er war ROSIG. Jetzt konnte ich schlafen.

Am nächsten Morgen hatte Greg Fieber und eine Staphylokokken-Infektion. Da sie vermuteten, das diese von seinem Port gekommen war, wurde dieser am Donnerstag entfernt. Greg hatte ihn 6 Jahre lang gehabt und es war wirklich schwierig ihm verständlich zu machen, so "benebelt" wie er war, warum er heraus mußte und das er ihn wirklich nicht mehr bräuchte. Jedenfalls wurde der Port entfernt, ein zentraler Venenkatheter gelegt und eine Bronchoskopie gemacht, um die neuen Lungen zu überprüfen. Am Freitag war sein Fieber weg, eine weitere Bronchoskopie wurde gemacht und der Beatmungstubus wurde entfernt. Vor der Transplantation war der Gedanke an die Beatmung erschreckend für ihn, aber eigentlich ging er ganz gut damit um. Er war sogar unterhaltend, wenn er während der Beatmung versuchte sich zu verständigen und ich die Einzige war, die herausbekam was er zu sagen versuchte. Als ihm schließlich erlaubt wurde Nachrichten zu schreiben, schrieb er wie verrückt und wir haben alles für ihn aufgehoben, da wir wußten, daß er sich nicht mehr daran erinnern würde. Am Nachmittag saß er die meiste Zeit im Sessel und er begann etwas Physiotherapie zu machen.

Gerade als ich dachte die Achterbahn der Gefühle wäre endlich zum stehen gekommen, begann am Samstagmorgen eine neue Fahrt. Das erste was mir Greg sagte, als ich an diesem Morgen hereinkam, war das er sterben würde. Mein Herz rutschte einige Etagen tiefer, ich schaute zum Pfleger (er sagte alles wäre OK) und dann auf die Überwachungmonitore (sie sahen toll aus). Er bekam noch nicht einmal Sauerstoff. Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, redete ich und redete und redete auf Greg ein, um zu versuchen ihn zu beruhigen. Er schien zu den "glücklichen" 25% zu gehören, die eine Intensivstations-Psychose entwickeln, und das obwohl sein Zimmer ein Fenster hatte, was immer als hilfreich angesehen wird. Die Hauptschuld hatte wohl das Morphium, aber er bekam auch noch einen ganzen Cocktail von Antibiotika und Anti-Abstoßungsmedikamenten. Jedenfalls wurde es über den Tag immer schlimmer und schlimmer. Er dachte, daß seine Tabletten und das Essen Gift seien und jeder versuchen würde ihn zu töten. Er fing an Gegenstände zu werfen und zu schreien und er mußte schließlich gebremst werden. Er bekam sogar eine Dosis Haldol. Ich hatte nun endgültig eine Migräne - ich kann kaum glauben, daß es so lange gedauert hat.

Ich wußte, daß viele Leute nach einer Transplantation Halluzinationen bekommen, aber ich hatte wirklich geglaubt, daß das Greg nicht passieren würde, da er seine Medikamente immer korrekt gehandhabt hatte. Soweit mein Denken. Neben der Aufregung über Greg's Verhalten, fühlte ich mich auch noch schlecht, weil so viele Leute nach Gainesville gekommen waren um ihn an diesem Tag zu sehen (einer meiner Cousins war sogar von Texas eingeflogen) und er war nicht in der Verfassung auch nur einen zu sehen, zumindest mental, physisch ging es ihm ja gut. Alle waren so freundlich und verständnisvoll, aber ich fühlte mich ihnen gegenüber schlecht, da sie mehr als eine Stunde gefahren waren für nichts.

Am Sonntag wurde Greg sehr verschlossen und streitsüchtig. Er saß nur da, starrte durch die Gegend und weigerte sich zu sprechen oder, wenn er sich entschied doch zu reden, war es meist in einer sehr blumigen Sprache. Er weigerte sich auch zu essen und seine Tabletten zu nehmen und kniff seinen Mund zu wenn wir nachhelfen wollten; seine Aerosole benutzte er aber. Sein Arzt versuchte immer und immer wieder Greg dazu zu bewegen seine Tabletten zu nehmen und er sagte ihm, wenn er die Tabletten nicht einnähme, dann würde er ihm eine Magensonde legen. Greg's Antwort war "Versuch's mal", der Arzt machte es, es funktionierte nicht und wir machten einen Rückschritt zur IV. Der Arzt war nicht gemein gewesen, er wollte nur herausfinden in wie weit Greg Kontrolle über das hatte was passierte und jetzt machen beide Witze darüber. Greg war sogar zu seiner Mutter ekelhaft und warf sie aus seinem Zimmer heraus, etwas was er in 43 Jahren noch nicht gemacht hatte. Der Katheter an seinem Hals wurde am Sonntag auch entfernt.

Am Montag wurde ein Psychologe herbeigerufen, da es den Anschein hatte, daß Greg länger bräuchte als es normal ist aus seiner Psychose herauszukommen, aber sie dachten, daß er wieder in Ordnung käme. Am späten Nachmittag schien es sich etwas zu bessern und er ließ mich bei ihm bleiben, aber sonst niemanden. Zwei der Schläuche wurden aus seiner Brust entfernt. Am nächsten Morgen war Greg schon wieder mehr er selbst und so wurde der Blasenkatheter entfernt und Greg auf ein normales Zimmer verlegt - wäre nicht die Psychose gewesen, hätte er schon früher verlegt werden können. Am Mittwoch wurde eine weitere Bronchoskopie gemacht und alles sah weiterhin gut aus. Der 3. Schlauch in seiner Brust wurde am Donnerstag entfernt, der letzte am Sonntag. Am Dienstag, dem 13. Mai, 14 Tage nach der Operation, wurde die Hälfte der Klammern entfernt und Greg wurde in das Apartment entlassen, in dem wir z. Zt. wohnten. Wir fanden außerdem heraus, daß Greg viel mehr Glück gehabt hatte als wir gedacht hatten, die Transplantation zu jenem Zeitpunkt erhalten zu haben. Er hatte ein paar Stunden bevor er auf die medizinische Intensivstation gekommen war eine Sputumprobe abgegeben, aber die Ergebnisse waren bis einige Tage nach der Transplantation nicht bekannt. Es stellte sich heraus, daß er 4 Pseudomonas-Stämme hatte, von denen einer resistent gegen alles war. Wenn sie das gewußt hätten, wäre er niemals transplantiert worden.

Greg's neue Lungen funktionieren prima, aber der Rest seines Körpers hat noch Nachholbedarf. Seine Beine waren sehr schwach, da die kleinen Muskeln, die er gehabt hatte, in den letzten paar Wochen vor der Transplantation vollkommen verschwunden waren. Wäre er in den Monaten zuvor nicht zur Physiotherapie gegangen, er hätte es wahrscheinlich nicht überstanden. Er brauchte Hilfe um von der Toilette aufzustehen und während der ersten Tage der nachoperativen Physiotherapie mußte er von Gurten gehalten werden, während er auf dem Laufband ging. Die dennoch gute Sache war, daß seine Sättigung bei 100% blieb, uns wurde gesagt, daß das nahezu beispiellos sei und wir fanden das bestätigt als wir die Sättigungen von anderen Transplantierten während der Übungen kontrollierten.

In den nächsten 6 Wochen erreichten wir eine ziemliche Routine. Physiotherapie an jedem Werktag, Spaziergänge am Wochenende. Ein paar Wochen lang zweimal täglich Vancomycin IV und immer noch einmal täglich Gancyclovir IV (dies muß über 3 Monate verabreicht werden, da Greg's Zytomegalie-Virusnachweis negativ ist, die Spenderlunge aber positiv war). Auch mußten wir über mehrere Wochen zweimal täglich seinen Verband wechseln, bis die letzten Klammern entfernt wurden. Außerdem mußte er (und macht es auch weiterhin) sich 1 mal täglich wiegen, Temperatur, Blutdruck und Puls 2 mal täglich messen sowie die Vitalkapazität (VC) und die forcierte Einsekundenkapazität (FEV1) 1 mal am Tag bestimmen. Eine weitere Bronchoskopie wurde 6 Wochen nach der Operation gemacht. Er zeigte keine Anzeichen von Infektionen oder Abstoßungen, aber bei der Bronchoskopie wurden doch einige Abstoßungen entdeckt, so daß er 3 Tage lang eine tägliche Dosis von 1g (1000mg) Sulemedrol nehmen mußte. Greg hatte zuvor schon 320mg ohne Probleme eingenommen, aber diese hohe Dosis bereitet ihm ziemlich starke Magenprobleme, er konnte eine Woche lang fast nichts essen. Schließlich, 8 Wochen nach der Operation, wurde Greg nach Hause entlassen.

Bis jetzt läuft alles ziemlich gut. Greg geht 3 mal die Woche zur Physiotherapie und will damit noch mindestens einen Monat weitermachen - danach wird er wahrscheinlich in ein Fitnesstudio gehen. Mit dem Ganyclovir wird er nächste Woche fertig und dann wird der ZVK gezogen. Er nimmt jeden Tag eine Handvoll Tabletten, aber nicht mehr als er es schon vorher tat - nur eben Andere. Letzten Freitag wurde eine weitere Bronchoskopie gemacht und das Ergebnis war toll - kein Sekret, keine Abstoßung. Seine Lufu-Werte steigen weiter an - FEV1 ist jetzt bei 73% und FVC ist 60%. Dies mag für einige niedrig erscheinen, aber Greg's Werte lagen um die 30% über die letzten 7 bis 8 Jahre, mit einem Rückgang auf wenig über 20% in den letzten 6 Monaten vor der Transplantation. 2 Wochen nach der Transplantation hatte er 40% der Vorhersage erreicht, daran könnt ihr die Verbesserung in nur 10 Wochen sehen. Uns wurde gesagt, daß er sein Optimum ungefähr 6 Monate nach der Transplantation erreichen wird. Aber nach Greg's Ansicht ist er schon bei 100%. Er kann alles was er tun möchte, jederzeit tun und er wird nie kurzatmig. Hier in Florida war die Temperatur um 35°C mit hoher Luftfeuchtigkeit und es hat ihn nicht mehr als mich belastet, außer daß er weiterhin viel schwitzt. Greg plant außerdem einen Teilzeitjob zu suchen, wenn er die Physiotherapie abgeschlossen hat (er war mehr als 6 Jahre erwerbsunfähig).

War es das wert? Ihr glaubt es lieber. Nicht mehr fluttern, nicht mehr abklopfen, nicht mehr mit gespitzten Lippen atmen, kein Sauerstoff mehr, kein Husten mehr. Greg ist jetzt so glücklich und lächelt die gesamte Zeit und braucht auch nicht mehr seine "Glücklichmacher-Pillen" (Xanax). Seine Persönlichkeit ist wieder viel mehr so, wie sie war, als ich ihn geheiratet habe. Es war für uns beide nicht leicht, aber man kann wirklich nicht einschätzen wie weit er gekommen ist, wenn man ihn nicht in der Nacht vor der Operation gesehen hat. Einer unserer Freunde strich unser Haus in der Woche bevor Greg ins Krankenhaus ging. Jedes mal wenn er Greg sah, sagte er daß sie sich lieber beeilen sollten. Er ist ein sehr schüchterner und reservierter Typ, aber ihr hättet ihn sehen sollen, als er Greg das erste mal nach der Transplantation sah. Er sprang förmlich auf und ab und grinste über das ganze Gesicht und sagte immer wieder "Ich kann es nicht glauben wie gut er aussieht". Ja, wir wissen, daß das nicht immer so sein muß, aber wir werden das Beste aus dem machen, was wir jetzt haben und kümmern uns um Probleme erst dann, wenn sie auftreten sollten.

Wir hätten das alles nicht ohne eine Menge von Hilfe durchgestanden. Ich kann nicht genug betonen wie wichtig Freunde und Familie in Krisenzeiten wie diesen sind. Greg's Eltern blieben mit uns in Gainesville (wir hatten ein 2 Zimmer Apartment) und waren eine gewaltige Hilfe. Zum Glück komme ich großartig mit ihnen aus, denn ich glaube nicht, daß ich sie hätte fernhalten können, auch wenn ich es gewollt hätte. Greg's Geschwister waren ebenfalls da und brachten Unruhe ins Haus, im Gegensatz zu unseren Freunden. Nicht nur, daß sie mich runter nach Gainesville fuhren, als ich vom Arzt zurückgerufen wurde, sie bleiben mehrere Tage, kamen jedes Wochenende wieder, versorgten uns unaufhörlich mit Telefonkarten (eine tolle Idee), schickten Greg zahlreiche Karten, und überraschten ihn, indem sie seinen Lehnstuhl von Zuhause mitbrachten. Greg bekam auch viele Karten, Briefe und Anrufe von unseren anderen Freunden und es war toll zu wissen, daß sie ihn alle unterstützten.

Meine Familie kümmerte sich um alles Zuhause und sie erzählten mir später davon. Sie mähten wöchentlich den Rasen, schnitten und trimmten die Hecken und pflanzten sogar ein paar neue Pflanzen - und ich hatte sie nicht danach gefragt, ob sie das alles tun könnten, sie taten es einfach, damit ich mich nicht darüber sorgen mußte. Sie brachten meine Katzen zum Tierarzt, als eine, auf gut deutsch gesagt, das ganze Haus bekotzt hatte und mein Cousin shampoonierte die Teppiche nachdem er die Bescherung beseitigt hatte. Mein Schwager kümmerte sich um unser Salzwasseraquarium und eine meiner Tanten reinigte das Haus kurz bevor wir nach Hause kamen. Und ihr werdet nicht glauben wieviele Leute uns Geld gaben. Ich sagte immer wieder, daß wir es nicht benötigten, aber sie alle wollten nur helfen. Greg's Kirche bezahlt die 2 Monate, die wir in dem Apartment verbrachten und jetzt versuchen wir uns zu entscheiden wohin wir den Rest des Geldes spenden.

Zwei weitere Sachen möchte ich noch sagen. Erstens, ich weiß daß viele von euch Horrorstories in Krankenhäusern erlebt haben, aber ich möchte euch wissen lassen, daß für Greg im Shands Krankenhaus wundervoll gesorgt wurde. Ich konnte nichts finden, das Anlaß zur Beschwerde gab. Jeder hat Greg wie einen Menschen behandelt und alle schienen sich um ihn zu sorgen und mit ihm glücklich zu sein. Er mag auch wirklich seine Ärzte und den Transplantationskoordinator und er hat den Eindruck, als ob er mit ihnen leicht reden kann. Zweitens, ich weiß daß diese Situation manchmal dazu führt, daß sich die Beteiligten einander entfernen, aber uns hat es nur näher gebracht. Für Greg war es schwierig seine Gefühle auszudrücken, aber je schlechter sein Zustand wurde und je mehr Angst er bekam, desto leichter fiel es ihm mir seine Gefühle mitzuteilen und wir verbrachten viele Nächte erzählend und weinend. Ich stellte fest, wenn er mit all diesen Schmerzen und Leiden umgehen konnte, dann konnte ich auch mit allem anderen umgehen. Es war schwierig, sehr schwierig, aber wir haben es geschafft. Greg erfreut sich absolut an seinem neuen Leben und ich kann es nicht erwarten zu sehen, was er als nächstes machen wird.

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erstellt am 1.8.1997 von Joachim Unterspan
letzte Revision am 21.11.2001