Inhalative Antibiotika bei Mukoviszidose

 

Dr. med. Sabine Brömme, Klinikum Kröllwitz für Kinder-u. Jugendheilkunde der Martin-Luther-Universität, Halle

Eines der Hauptthemen des 14. Nordamerikanischen Jahreskongresses galt der inhalativen Medikamentenapplikation. Den vielfältigen Fragen der Inhalationstherapie war ein Short Course gewidmet, wobei technische Prinzipien der Aerosolerzeugung kleinster Partikel, ihrer Verteilung und deren meßmethodische Einschätzung im Vordergrund standen. Alternative Methoden der Medikamentenapplikation, z.B. Feinpuderaerosole wurden diskutiert.

Die inhalative Antibiotikatherapie bei chronischer Pseudomonas aeruginosa Infektion wird immer häufiger und intensiver durchgeführt. Dabei haben sich zwei Substanzen durchgesetzt. In England und Irland vorwiegend Colomycin, in zahlreichen anderen Ländern Tobramycin.

Regelmäßiges Inhalieren hoher Tagesdosen von Tobramycin mit geprüftem Vernebler und geeignetem Kompressor haben in mehreren klinischen Studien u.a. den positiven Effekt auf die Lungenfunktion, Abnahme der Exazerbationen und Verbesserung des Allgemeinzustandes der Patienten nachweisen können.

Die einzige zur Inhalation zugelassene Tobramycin Lösung ist TOBI® mit der Empfehlung einer Tagesdosis von 2 x 300 mg (mit vernachlässigbaren maximalen Serumspiegeln) mittels eines Pari LC+ Verneblers und eines Pari Masters.

Konservierungsmittel wie Phenol und Schwefelverbindungen im Inhalat begünstigen das Auftreten von Bronchospasmen. Da TOBI® frei von diesen Substanzen ist, ist die Rate von Bronchospasmen geringer und durch Vorinhalation von Beta-2-Mimetika positiv zu beeinflussen.

Die Inhalationsdauer für Antibiotika wird von vielen Patienten neben der Durchführung anderer notwendiger therapeutischer Maßnahmen als störend empfunden. So wurde nochmals diskutiert über die Notwendigkeit der Optimierung der Aerosolapplikation und VVirkstoffdeposition, Verkürzung der Inhalationszeit, neben technischen Verbesserungen z.B. die Anwendung von Pulverinhalaten.

Effect of Tobramycin Solution for Inhalation (TOBI®) on Lung Function Decline in Pseudomonas aeruginosa-Infected Cystic Fibrosis (CF) Patients with Mild to Moderate Lung Disease

Van Devanter et al.

Eine Teilpopulation symptomatisch unauffälliger P.a. infizierter CF-Patienten besitzt ein hohes Risiko, relativ schnell Lungenfunktion zu verlieren. Diese jugendlichen Risiko-Patienten im Alter unter 25 Jahren würden von einer vorbeugenden antipseudomonalen Therapie besonders profitieren. In einer retrospektiven Studie wurden daher die Daten von Teilnehmern der TOBI® Studie (NEJM 1999; 328:1740-6) hinsichtlich der Wirkung einer Tobramycin-Inhalation auf die Geschwindigkeit des FEV1 Verlustes ausgewertet. Patienten unter 25 Jahren mit Basis-FEV1 Werten von über 60% der Norm wurden berücksichtigt.

24 Wochen nach Beginn der Studie war der mittlere FEV1 Wert der Plazebo-Patienten (n=71) von einem Ausgangswert von 70,75% der Norm (SD=0.9) auf 65,7% (SD =1.5) abgesunken. Die mittlere jährliche Abnahme der Lungenfunktion betrug 9,4% der Norm (SEM 2.8). In der Verum-Gruppe (n=61) stieg in den ersten 4 Wochen der Therapie die mittlerer Lungenfunktion von 69,1% (SD = 0,69) auf 75,1% (SD = 1,3) an und sank nach 24 Wochen auf eine mittlere FEV1 von 69,4% der Norm ab. Die für die Verum-Gruppe zunächst berechnete mittlere Abnahme pro Jahr von 4,7% (SD=4,1) verringerte sich in der offenen Verlängerung der Studie deutlich auf 1,36% (SD=2.4) für alle nunmehr mit TOBI® behandelten Patienten.

Obwohl die TOBI® Studie nicht für die Messung der Verlustrate an Lungenfunktion entworfen wurde, legen diese Daten nahe, daß die Inhalation von Tobramycin (2 x 300 mg bid on/off) auch langfristig eine Abnahme der Lungenfunktion bei Pa. infizierten Patienten mit milder Lungenbeteiligung deutlich verlangsamen kann.

Quelle:Pulmopharm Info Service