Wo steht die CF-Forschung?

 

Den folgenden Beitrag hat Torsten Krafft, dessen 2-jährige Tochter Fiona an CF erkrankt ist, auf unserer Mailingliste Muko-L geschrieben. Da er aber auch für eine breitere Leserschaft interessant sein dürfte, wird er hier mit Torstens Einwilligung widergegeben. Torsten Krafft ist zwar sehr engagiert, aber trotzdem nur interessierter Laie, Fehler in der Darstellung sind daher trotz aller Sorgfalt nicht auszuschliessen.

GENTHERAPIE: Theoretisch natürlich die beste Idee und bei Erfolg DIE Lösung für unser Problem, falls es gelingt, die fehlerhafte Erbinformation dauerhaft zu korrigieren. Nach der Entdeckung des Gens auf dem 7. Chromosom ist es bildlich gesprochen so, wie mit dem Klavierspielen. Das Klavier ist vorhanden, jetzt muss man nur noch mit dem richtigen Finger zur richtigen Zeit auf die richtige Taste hauen, dann klappt's. Praktisch, hmmm, ja, die ersten Klavierstunden sind genommen, aber bis zur Konzertreife dauert es noch ein bißchen:-) Die Versuche beschränken sich bislang auf die Lunge und man versucht, mit verschiedenen Instrumenten (Vektoren) die neue Erbinformation in die Lungenzellen zu bekommen. Dabei kommen Viren, AAV-Vektoren (rekombinierte Viren), Liposomen (grosse Fettmoleküle) und die kürzlich in dem Artikel über Gentherapie in Deutschland beschriebenen Plasmiden zum Einsatz. Ein englischer Forscher (Dr. Alton) hat jüngst interessante Ergebnisse mit der Kombination von Plasmiden mit Liposomen erzielt. Das Positive ist, daß es wohl genügt, wenn man 15 % der Zellen "umprogrammieren" könnte, das Negative, dass der Körper sich bislang mit Händen und Füssen gegen diese Hilfe von außen wehrt. Dadurch, dass das CFTR-Gen bekannt ist, scheinen sehr viele Genforscher an der Krankheit Interesse gewonnen zu haben. Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass auf diesem Gebiet sehr viel getan wird.

CFTR-THERAPIE: Ein anderer Ansatz, der davon ausgeht, daß man zwar den Gendefekt nicht reparieren kann, aber versuchen sollte, das fehlerhafte Protein zu retten. Denn fatalerweise (oder glücklicherweise) ist es wohl so, daß das CFTR, was bei der dF 508 Mutation (die bei 70 % der Patienten wenigstens heterozygot vorhanden ist) produziert wird, ausreichend funktionieren würde, wenn der Körper es nur in die Zellwände einbauen würde. Das heisst, wenn man der intrazellulären Qualitätskontrolle klarmachen könnte, daß es diesen "Ausschuss" gefälligst verwenden soll, weil es etwas besseres leider nicht gibt, dann hätte man das Problem (hoffentlich) gelöst. Deswegen wurden die beiden Medikamente CPX und 4PBA entwickelt. Von 4BPA habe ich länger nichts mehr gehört, bei CPX läuft noch bis zum September die einjährige Phase II Studie. Sollte alles glatt gehen, ist mit einer Markteinführung im Jahr 2003 oder 2004 zu rechnen. Für diejenigen, die eine sogenannte Stop-Mutation haben (letzter Buchstabe ein X), wo also die Produktion von CFTR mittendrin abgebrochen wird, untersucht Dr. Bedwell in Alabama gerade, inwieweit Gentamycin den Zellen auf die Sprünge helfen kann. Und bei G551D soll die Einnahme von Genistein helfen.

PSEUDOMONAS-IMPFUNG: Bei diesem Ansatz betrachtet man den Gendefekt als irreparabel und versucht, wenigstens die ärgste Bedrohung für CF-Patienten, eine Besiedlung der Lunge mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa zu verhindern. Hierzu werden im Moment eine Langzeitstudie in der Schweiz (Bern), eine Multicenterstudie in Europa unter Leitung von Prof. Döring in Töbingen und eine wenig bekannte, aber hochinteressante Studie in Schweden (Uppsala) durchgeführt. Die Schweizer und Prof. Döring impfen die Patienten mit Teilen des Bakteriums und hoffen, dass Antikörper gegen Pseudomonas gebildet werden, die einen Infekt verhindern. Die Schweden haben Hühner gezüchtet, die Antikörper bilden. Die Patienten müssen täglich mit Eigelb von diesen Hühnern gurgeln und es soll bei den 40 Teilnehmern seit mehreren Jahren keine Pseudomonas-Infektion aufgetreten sein. Vor kurzem haben auch noch amerikanische Forscher berichtet, dass es ihnen gelungen ist, Antikörper zu entwickeln, die verhindern, das Pseudomonas seine Giftstoffe in Lungenzellen eindringen lassen kann. Klingt gut, hilft aber nur, wenn wirklich die Pseudomonas-Gifte das Problem sind. Vor einiger Zeit habe ich ja über die Diskussionsgruppe berichtet, die die Ursache der Lungenprobleme eher in einem gestörten Antioxidanzsystem der Lunge vermutet. Womit ich zum nächsten Thema komme und vorsichtshalber sage: ACHTUNG, SIE VERLASSEN JETZT DAS GEBIET DER ANERKANNTEN FORSCHUNG

GLUTATHION: Einige werden sich noch erinnern, das ich vor einiger Zeit recht euphorisch darüber berichtet habe, dass der CFTR-Kanal auch für den Glutathion-Transport verantwortlich ist, dieses wichtigste Antioxidanz in der Lunge deswegen nicht ausreichend vorhanden ist und darin die Ursache für die Lungenprobleme liegt. Die Hoffnung war sehr gross, durch die Inhalation von Glutathion dieses Problem beheben zu können und eine kleine Gruppe von Betroffenen hat sich unerschrocken ans Werk gemacht. Nun ja, kurz gesagt, mit dem Nobelpreis für die Gruppe wird das wohl erstmal nix:-) Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich, einige bekamen erhebliche Probleme beim Inhalieren. Und die Mutter von unserem "Wunderkind Graham" bemerkte so nebenbei, dass ihr Sohn zeitgleich mit der Inhalation von Glutathion auch mit der Einnahme von Azithromycin, einem Makrolid-Antibiotikum begonnen hat. Wahrscheinlich werden die Ergebnisse als Poster auf der europäischen CF-Konferenz in Den Haag präsentiert und hoffentlich finden sich Wissenschaftler, die sich intensiver mit diesem Thema befassen. Denn eins ist bei der ganzen Sache auf jeden Fall herausgekommen, Glutathion spielt eine ganz bedeutende Rolle im Stoffwechselsystem der Lunge. Diesbezüglich ist vor einigen Monaten in Grossbritannien eine Langzeitstudie veröffentlicht worden, aus der hervorging, dass CF-Patienten, die kein funktionierendes GSTM1-Gen haben (ca. 50%) schlechter dran sind als solche, die dieses für die Entgiftung wichtige Enzym besitzen. Das Enzym ist notwendig, um Giftstoffe zum Abtransport an Glutathion anzubinden. Es scheint auch klar zu sein, dass CFTR weitere Aufgaben hat, als nur ein Chloridkanal zu sein. Aber es fehlen noch viele Teile im Puzzle.

So, vielen Dank an die, die bis hierhin durchgehalten haben :-). Ich hoffe, der Spagat zwischen Wissenschaft und Verständlichkeit ist mir halbwegs geglückt. Wer zu einzelnen Themen mehr wissen möchte, sollte entweder per Stichwort in Medline suchen, das Cystic-L Archiv aufsuchen oder (immer einen Surf wert) auf der Homepage von Norma Kennedy Plourde nachschauen, die topaktuell und sehr informativ ist. Für Leute mit Gelenkproblemen ist noch wichtig, dass Norma auch Rheuma hat und zu diesem Thema auch viele Informationen bereit hält.
http://www3.nbnet.nb.ca/normap (Home Page)
http://www3.nbnet.nb.ca/normap/CF.htm (Cystic Fibrosis Page)

Leider habe ich noch keine Seite gefunden, die auf deutsch aktuelle Informationen über die CF-Forschung anbietet.

Bye-bye
Torsten, Papa von Fiona (2 Jahre)