Neuer Weg zur Verhütung Antibiotika-resistenter Staphylococcen-Infektionen
(Meldung vom 31.5.1999)
Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, einen Oberflächenbestandteil
des Krankenhauskeims Staphylococcus aureus zu charakterisieren, der als Impfstoff
gegen dieses Bakterium benutzt werden kann. Die Wissenschaftler vom Hygieneinstitut
am Universitätsklinikum
Tübingen und ihre Kollegen veröffentlichen ihre Ergebnisse in
der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.
Der aus einem polymeren Zuckernetzwerk bestehende Stoff, Poly-N-succinyl ß-1-6
glucosamine (PNSG) wird von vielen Staphylococcen-Stämmen überwiegend
während der durch sie ausgelösten Infektionen gebildet, nicht jedoch
bei der Aufzucht der Bakterien im Labor. Beispielsweise konnten mit PNSG umhüllte
Staphylococcen in den infizierten Atemwegen von Patienten mit der Erbkrankheit
Mukoviszidose nachgewiesen werden. Mit PNSG immunisierte Mäuse konnten
gegen Infektionen durch Staphylococcen-Stämme, die Antibiotika-multiresistent
waren, geschützt werden.
Der Impfstoffkandidat könnte gegen typische Staphylococcen-Infektionen
wie Endokarditis (Herzklappenentzündung) oder Sepsis (Blutvergiftung) bei
Krankenhauspatienten, gegen Lungeninfektionen bei Mukoviszidose-Patienten und
Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses bei Mensch und Tier erworben
werden, eingesetzt werden.
[Quelle: Susanne Roth, idw]
Hoffen auf den neuen Impfstoff
Immer öfter wirken Antibiotika bei bakteriellen Infektionen nicht mehr
Bei bestimmten bakteriellen Infektionen, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken, gibt es jetzt Hoffnung auf einen neuen Impfstoff. Professor Gerd Döring vom Hygiene-Institut der Universität Tübingen sagte der dpa in einem Gespräch, einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe sei es "gelungen, einen Oberflächenbestandteil eines Krankenhauskeims zu charakterisieren, der als Impfstoff gegen diese Bakterien benutzt werden kann". Die Substanz aus der Hülle der sogenannten Staphylokokken heiße PNSG. An der Forschergruppe ist auch das Tübinger Institut beteiligt.
Bisher werden Staphylokokken-Infektionen mit Antibiotika behandelt. Doch die antibiotikaresistenten Krankheitserreger nähmen "besorgniserregend" zu. Das "läßt daher immer mehr präventive Maßnahmen in den Vordergrund der medizinischen Forschung treten".
Der PNSG-Impfstoff ist vorbeugend gegen alle typischen Staphylokokkeninfektionen einsetzbar, gegen Krankenhauskeime und auch Erreger außerhalb des Krankenhauses und zwar vielseitig bei Mensch und Tier. Döring nannte als Beispiele Herzklappenentzündung, Blutvergiftung bei Krankenhauspatienten und Lungeninfektionen bei Mukoviszidose-Patienten.
Der PNSG-Impfstoff werde wie die Seren bei anderen Infektionen vorbeugend verabreicht. Er werde intramuskulös gespritzt und gewähre bei dreimaliger Impfung hintereinander "Schutz für mindestens zehn Jahre". Und zwar für alle Staphylokokkeninfektionen, sagte Döring. Eine Impfung breiter Bevölkerungskreise hält er für sinnvoll, zumal immer mehr Erreger nicht auf Antibiotika ansprechen.
Zwar ist der neue Impfstoff "noch nicht fertig". Aber "man kennt, was wirkt". Nach erfolgreichen Tierversuchen "müssen auch noch beim Menschen Verträglichkeit und Nebenwirkungen untersucht werden". Bis wann der Impfstoff auf den Markt kommt, sei nun Sache der industriellen Partner. Döring nennt als Zeit "vermutlich fünf Jahre".
[Quelle: Stuttgarter Nachrichten, Germany, 31.5.1999]