Kontaminierte Stethoskope sind üblich im Zeitalter der Antibiotika- Resistenzen
Eine Studie, die mehrere Einrichtungen in Krankenhäusern getestet hat,
bestätigt, daß Stethoskope ein Hauptträger von potentiell gefährlichen
Mikrosorganismen sind. Dieses Ergebnis ist speziell heutzutage wichtig, da die
Krankenhäuser immer mehr immungeschwächte Menschen versorgen und eine
wachsende Anzahl von Bakterien resistent gegenüber Antibiotika sind bzw.
werden. "Ich denke, daß es heutzutage wichtiger ist als es noch vor 20 Jahren
war, potentiell krankmachende Erreger auf Stethoskopen zu finden, da die einliegenden
Patienten mehr akut krank sind, die invasiven Technologien zugenommen haben
und die Probleme mit antimikrobiellen Resistenzen größer geworden
sind", sagte Michael B. Edmond, MD, MPH, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter
in der inneren Medizin am Medical College of Virginia in Richmond. Zweihundert Stethoskope aus vier Krankenhäusern wurden auf Kontaminationen
getestet. Achtzig Prozent waren mit Mikroorganismen kontaminiert, von denen
viele dafür bekannt sind ernste Infektionen bei einliegenden Patienten
zu verursachen. Die Ärzte in dieser Studie, veröffentlicht in Archives of Internal
Medicine (1), hatten den höchsten Prozentsatz von kontaminierten Stethoskopen
(90%) (siehe Tabelle). Die Zuweisung von Stethoskopen zu bestimmten Bereichen
reduzierte die Kontaminationen, aber immer noch die Hälfte trug infektiöses
Material. Siebzehn verschiedene Spezies von Mikroorganismen wurden von den Stethoskopen
isoliert; mehr als die Hälfte der isolierten Staphylokokken war resistent
auf Methicillin. "Methicillin resistente Staphylokokken sind ein gewaltiges Problem,"
sagte John J. Mathewson, PhD, Coauthor der Studie. Die einzige Verteidigung
gegen sie ist Vancomycin, ein potentiell giftiges (toxic) Medikament."
Und wenn Staphylokokken resistent gegen Vancomycin werden, dann stecken wir
in wirklichen Schwierigkeiten, weil es nichts gibt womit man sonst behandeln
könnte," warnte Mathewson, ein Mikrobiologe am Center für Infektionskrankheiten,
University of Texas in Houston. "Es sollte eine allgemeine Praxis sein, Stethoskope entweder nach jedem
Gebrauch mit Alkohol abzuwischen oder auswechelbare Überzüge zu verwenden,"
sagte Mathewson. "Dies ist besonders wichtig in Krankenhausbereichen, die viele Patienten
mit antibiotikaresistenten Organismen beherbergen, wie Intensiv-, Transplantations-
und Hämatologie/ Onkologiestationen," fügte Edmonds hinzu. "Patienten,
die mit antibiotikaresistenten Organismen infziert sind, sollten in Kontaktisolation
gehalten werden," sagte er. "In solchen Fällen sollten die Stethoskope
nicht für mehrere sondern nur für einen Patienten verwendet werden
und an seinem Bett deponiert werden." "Es wird wohl dauernder Erinnerungen bedürfen, die im Gesundheitswesen
Beschäftigten dazu zu bringen, ihre Stethoskope regelmäßig zu
desinfizieren," sagte Edmond. "Es ist 1996 und wir konnten Krankenhausbeschäftigte
noch nicht überzeugen, daß sie ihre Hände waschen müssen,
eine Vorsichtsmaßnahme die offensichtlich intuitiver ist als Stethoskope
zu reinigen. Krankenhausbeschäftigte waschen ihre Hände nur 40% so
häufig, wie sie eigentlich sollten," fügte er hinzu. "Wir
müssen die Botschaft immer und immer wieder wiederholen." (1) Smith MA, Mathewson JJ, Ulert IA, Scerpella EG, Ericson CD. Contaminated
stethoscopes revisited. Arch Intern Med. 1996;156:82-4.
| Kontaminierte Stethoskope: Wer ist verantwortlich? | ||
|---|---|---|
| Personal | Positive
Kulturen/ getestete Stethoskope |
Prozent |
| Ärzte | 61 / 68 | 90 |
| Schwestern | 81 / 102 | 79 |
| Medizinstudenten | 6 / 9 | 67 |
| Atemtherapeuten | 5 / 6 | 83 |
| Physiotherapeuten | 2 / 2 | 100 |
Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Unterspan am 10.7.1997. Originaltext nachzulesen unter: http://www.acponline.org/journals/annals/15jul96/stethosc.htm